1. Fall: Beim Arzt

Nachdem der Arztassistent meinen Datensatz verfasst hat und darin den Vermerk „taubstumm“ gemacht hat, frage ich mich, was genau damit gemeint ist. Hat er nicht gelernt, wie man angemessen mit Menschen umgeht, die eine Hörschädigung haben? Wurde dies nicht an Universitäten oder in der Ausbildung vermittelt? Gibt es keine speziellen Richtlinien für den Umgang mit Menschen, die nicht hören können oder Schwierigkeiten beim Sprechen haben? Behandelt er mich abwertend oder versucht er, auf stumme Kommunikation zurückzugreifen, falls sie keine Gebärdensprache beherrschen? Oder bin ich zu dumm?

2. Fall beim Straßenverkehr

Ich, als hörgeschädigte Autofahrer fuhr gemäß den Verkehrsregeln einwandfrei. Plötzlich ereignete sich jedoch ein Unfall, da der Unfallgegner die Vorfahrt nicht beachtete. Als beide miteinander kommunizierten, bemerkte der Unfallgegner, dass ich nicht hören konnte. Die Polizei wurde gerufen und nahm ein Protokoll auf, um den Vorfall festzuhalten. Ich rief einen Dolmetscher an, der etwas Zeit benötigte, um vor Ort zu sein. Der Unfallgegner teilte der Polizei mit, dass ich taubstumm sei. Es ist fragwürdig, warum die Diskussion nicht auf die Vorfahrt oder den Straßenverkehr fokussiert war, sondern nur das Wort „taubstumm“ herausgegriffen wurde. Die Polizei schien schnell zu glauben, dass ich etwas falsch gemacht habe, nur aufgrund des Wortes „taubstumm“. Es scheint, dass der Unfallgegner versucht, die Schuld auf mich abzuwälzen, weil er selbst feige ist. Oder vielleicht hat die Polizei nicht gelernt, Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen zu respektieren und zu berücksichtigen. Ist „taubstumm“ ein Grund, um zu Feinden zu werden?

3. Fall bei der Arbeit

Über viele Jahre hinweg habe ich hauptsächlich an einer Kantbankmaschine gearbeitet und dabei umfangreiche Erfahrungen gesammelt. Mit einer Erfahrung von über 35 Jahren bin ich in der Lage, auch komplexe Aufgaben zu lösen. Vor kurzem kam ein Arbeitgeber mit einem Besucher zu mir vorbei und präsentierte verschiedene Maschinen. Dabei bezeichnete er mich als taubstumm. Ich frage mich, was er damit meint. Fühlt er sich überlegen und betrachtet mich als minderwertigen Arbeiter oder stellt er sich vor, dass ich nur ein niedrig bezahlter Arbeiter bin? Hat er keinen Respekt vor meiner Leistung, die genauso gut ist wie die meiner normalen Kollegen? Oder ist er einfach unfähig, mit mir zu kommunizieren?“ Anmerkung, dass ich sehr gut in der Lage bin, vom Mund abzulesen.

4. Fall bei der Behörde

Im Jahr 2008 zog ich nach Bayern, da ich eine neue Liebe gefunden hatte – auf einem großen Bauernhof. Nach zwei Jahren zog ich dann mit meiner Ex-Partnerin nach Passau, da ich eher ein Stadtmensch bin und die Möglichkeit hatte, hier in Passau viel zu entdecken, besonders die bayerische Kultur faszinierte mich. Als wir eine geräumige Wohnung in Passau fanden, merkten wir, dass wir nur ein Auto benötigten, obwohl wir vorher zwei hatten. Also beschlossen wir, eines davon zu verkaufen, da es hier in Passau schwierig ist, einen Parkplatz für ein Auto zu finden. Wir gingen zur Behörde, um die Ummeldung vorzunehmen, mein Auto zu verkaufen und das andere auf mich umzuschreiben. Dadurch konnten wir die Auto-Steuer halbieren und für meine Ex-Partnerin eine Wertmarke erhalten. Alles verlief reibungslos. Doch dann erhielten wir einen Brief von der Behörde, der uns dazu aufforderte, erneut vorbeizukommen. Als wir das Büro betraten, um über die Umstellung zu sprechen, wussten wir nicht genau, was uns erwartete. Der Mitarbeiter der Schwerbehindertenvertretung begann über die Dokumente zu sprechen und erwähnte, dass ein Fehler vorliege. Ich erklärte ihm, dass wir einen Dolmetscher benötigten, aber er schien nicht daran interessiert zu sein und las weiterhin aus den Dokumenten vor. Ich widersprach weiterhin, da wir einfach nicht verstanden, was er sagte. Schließlich bat ich ihn, das Gesagte schriftlich festzuhalten, doch er lehnte ab. Daraufhin gerieten wir in einen Streit, da ich fand, dass er sich so nicht verhalten sollte. Er schien zu denken, dass ich aufgrund meiner Gebärdensprache ein Choleriker sei und warf mich deshalb aus dem Büro. Meine Ex-Partnerin versuchte alleine mit ihm zu sprechen und schließlich wurde alles erledigt. So läuft es eben in Bayern…

Hat er recht? Oder ist es diskriminierend? Ist das Wort „taubstumm“ ein Teil davon?

5. Fall bei der Sozialbehörde

Ich habe bei der Sozialbehörde einen Antrag auf Schwerbehindertenvertreter gestellt, um Hilfsmittel und Zuschüsse für spezielle Ferndolmetscher und andere Dinge zu erhalten. Bei diesem Antrag habe ich mich an Herrn X gewendet. Die Dolmetscherin war ebenfalls anwesend und hat zwischen Herrn X und mir übersetzt. Herr X hat alles aufgeschrieben, was ich benötigte. Danach war die Angelegenheit vorerst erledigt. Nach 6 Monaten hat sich Herr X jedoch nicht bei mir gemeldet. Daraufhin habe ich mich bei Herrn X beschwert, da ich die Schwerbehindertenvertretung aktivieren wollte, aber er hat mich einfach ignoriert. Das hat mich sehr verärgert. Er hat folgenden Text geschrieben: „Ich weiß, dass Gehörlose in einem eigenen, geschlossenen Universum leben, das es mit dem Rest der Welt schwierig macht. Die Realität außerhalb dieses Universums ist oft anders, als sich das die Gehörlosen so vorstellen was zu Problemen führt und zu ungerechtfertigten Anschuldigungen.“

Was meint er damit? Ist das Wort „taubstumm“ ein Teil davon auch?

6. Fall Allgemein

Es gibt oft Situationen, in denen Menschen das Wort „taubstumm“ benutzen, um etwas immer wieder zu wiederholen. Entschuldigen Sie, das war nicht das, was sie sagen wollten, sondern sie wurden als unansprechbar oder unwichtig abgestempelt. Vielleicht habe ich im Laufe meines Lebens tausendmal dasselbe erlebt. In meinen Gedanken möchte ich manchmal jemandem mit der Faust auf den Kopf schlagen, um diese Worte „taubstumm“ nicht mehr zu hören. Oder sollte ich lieber „Danke“ sagen?

7. Fall beim Arzt (Teil 2)HNO in Passau

Das Ausländeramt hat uns beauftragt, dass meine Frau einen Integrationskurs besuchen muss. Ich dachte, es wäre einfach. Die Sprachschule benötigte jedoch einen Aufenthaltstitel und einen Schwerbehindertenausweis. Also gingen wir zum HNO Passau. Als wir dort standen, konnte ich nicht mit dem Assistenten reden, da es keine Diskretion gab. Also schrieb ich auf, was wir wollten. Die Assistentin nahm meine Frau mit und führte sie in den Audioraum für den Hörtest. Die Assistentin konnte sich nicht mit ihr verständigen, also holte sie mich. Ich übersetzte meiner Frau, was die Assistentin sagte. Ich verstand nicht alles, aber ich wusste, was sie mit den Druckgeräten machen musste. Was mich erstaunte, waren die vier Assistentinnen in einem Raum, das war zu viel für meine Frau. Aber ich dachte, es sei in Ordnung. Nach einer halben Stunde bekam ich die Rezeptdokumente, in denen stand, dass ich (der Begleiter, der taubstumm ist) und meine Frau schwerhörig sind. Dann erklärte ich, dass dieses Schreiben falsch ist. Warum wurde ich als taubstummer Begleiter eingetragen und warum ist sie als schwerhörig eingetragen? Ich vermute, dass die Assistentinnen aufgrund meiner Frau’s asiatischer Herkunft kein Deutsch verstanden und deshalb Englisch sprachen. Ich widersprach und sagte, dass diese Dokumente falsch waren. Die Assistentin drohte mir, die Polizei zu rufen. Also gingen wir zu einer Hörgeräteakustikerin. Sie überprüfte noch einmal und sagte mir, dass meine Frau taub ist. Sie konnte mit Hörgeräten nicht hören. Sie wunderte sich, wie der HNO-Arzt sie so behandelt hat. Dann mussten wir nach 3 Wochen zu einem anderen HNO-Arzt gehen, aber nicht in Passau, obwohl es noch andere gab. Wir entschieden uns, nach Landshut zum HNO-Arzt zu gehen. Dort bekamen wir die richtigen Dokumente. Dann durfte meine Frau endlich zum Integrationskurs gehen, dank des HNO-Arztes aus Landshut. Ich verstehe immer noch nicht, warum der HNO Passau mir trotz der falschen Dokumente mit der Polizei gedroht hat. Das ist typisch für Passau. Ich stelle mir immer wieder die Frage, ob „taubstumm“ bedeutet, dass ich schlecht behandelt wurde.

8. Fall mit der Polizei

Gegen 5:30 Uhr am Morgen begab ich mich auf meinem E-Bike von zu Hause zum Bahnhof, wie ich es jeden Tag zur Arbeit tat. Auf dem Weg zwischen meinem Zuhause und dem Bahnhof bemerkte ich aus der Ferne einen seltsamen Gegenstand auf dem Radweg. Als ich näher kam, erkannte ich, dass es sich um einen leblosen Mann handelte, der auf dem Radweg oberhalb einer Straßenbrücke lag. Ich lehnte mein E-Bike am Geländer an und rief den nächsten vorbeifahrenden Radfahrer an, um ihn zu bitten, die Polizei zu benachrichtigen, da dort ein toter Mann lag. Der Radfahrer rief sofort die Polizei an, und ich weiß nicht genau, was er am Telefon gesagt hat. Nach etwa 10 Minuten kamen zahlreiche Polizisten und mehrere Autos zu mir. Ich war sehr blass und erschrocken, da die Situation überwältigend war. Mit zitternden Händen versuchte ich, mit den Polizisten zu kommunizieren und meine Aussagen aufzuschreiben. Ich erklärte ihnen, dass ich auf dem Weg zum Bahnhof war und den leblosen Mann bereits vorfand. Sie fragten, ob ich den Mann berührt habe, woraufhin ich antwortete: „Nein“. Die Polizisten und Forensiker untersuchten den Vorfall und stellten fest, dass der Mann sich das Leben genommen hatte, indem er von der Brücke sprang. Die Kommunikation zwischen der Polizei und mir war sehr schwierig. Ich versuchte, meine Aussagen mit Gesten und einer schriftlichen Zusammenfassung zu verdeutlichen. Es war keine einfache Situation.

9. Fall bei der Arbeit

Nachdem ich von unseren engen Freunden erfahren habe, wie er seine Arbeit beschrieben hat, bin ich traurig geworden. Er musste in der Küche manche Tage lang 16 Stunden arbeiten, mit sehr wenig Pausen. Sein Lohn war sehr schlecht und es gab keine Zuschläge. Wenn er sich jemals Urlaub wünschte, war dies überhaupt nicht möglich. Er ist taub und hat asiatische Wurzeln. Wie kann der Chef so herzlos mit einem behinderten Küchenhelfer umgehen? Es erstaunt mich, dass niemand bemerkt hat, wie er nach dem Gesetz und dem Schutz behandelt werden sollte. Diese Firma passt nicht in unsere Gesellschaft. Das ist schwere Ausbeuter. Ich werde etwas gegen diese Firma unternehmen.

Fazit:

Wiederholt treten dieselben Probleme auf, unabhängig davon, ob es um die Suche nach Behörden oder fehlende Dolmetscher geht oder um die begrenzten Öffnungszeiten für spezielle Beratungen für Hörgeschädigte. Dies führt zu erheblichen Verzögerungen und Zeitverlust. Viele haben immer noch Schwierigkeiten, Klarheit darüber zu erlangen, welche Ziele erreicht werden sollen.

Die beste Lösung und die bestmögliche Verbesserung

Beim Arzt gehen

Bei Besuchen beim Arzt sollten die Anmeldeassistenten erkennen, wenn Menschen Hilfe benötigen. Wenn ein hörgeschädigter Mensch zum Arzt kommt und keinen Dolmetscher dabei hat, sollten die Assistenten Papier und Stift zur Verfügung stellen. Für kurze Behandlungen mag es ausreichen, Papier und Stift zu verwenden. Bei längeren Behandlungen sollten Dolmetscher eingesetzt werden, um Missverständnisse zu vermeiden. Es ist jedoch oft schwierig, Dolmetscher zu finden, da sie häufig ausgebucht sind. Es ist wichtig, dass Assistenten und hörgeschädigte Menschen gemeinsam eine Lösung finden, anstatt oberflächliche Behandlungen anzubieten und einfach „taubstumm“ darauf zu schreiben.

Bei der Polizei

Bei der Polizei streben wir nach gemeinsamen Lösungen, indem wir den Datenschutz gewährleisten und schnelle Kontakte ermöglichen. Darüber hinaus ist es wichtig, Dolmetscherdaten zu erfassen und auch einen kurzen Verhandlungspapier und Stift beizufügen. Es wäre von Vorteil, wenn einige Polizisten die Möglichkeit haben, sich in Gebärdensprache auszubilden, um die Kommunikation zu erleichtern und Missverständnisse zu vermeiden.

Bei der Behörde

Bei der Behörde ist es für mich oft kompliziert. Manche sind freundlich, andere wiederum kalt. Oftmals scheinen sie nach meinem Aussehen zu beurteilen und ignorieren mich. Deshalb suchen wir nach einer besseren Lösung im Umgang mit hörgeschädigten Menschen. Wir möchten eine Liste mit Gebärdensprachdolmetschern führen, damit bei kurzen Besprechungen auch Papier und Stift zur Verfügung stehen. Es ist wichtig, freundlich zu sein, da hörgeschädigte Menschen in der Regel schnell auf das Verhalten der Beamten reagieren. Möglicherweise könnten auch hausinterne Gebärdensprachdolmetscher ausgebildet werden. Wir möchten unnötige Wege und Zeitverschwendung vermeiden. Der beste Weg ist es, Missverständnisse abzubauen und die Bürokratie zu minimieren.

Beim Sozialamt

Es ist entscheidend, dass das Sozialamt sicherstellt, dass Hörgeschädigte bei der Beantragung von Hilfen den Zugang zu Gebärdensprachedolmetscher*innen haben, um auch bei schwierigen und komplizierten Fragen angemessene Erklärungen zu erhalten. Die Bereitstellung klarer Wegweiser ist wichtig, damit die Bedürfnisse dieser Personen ernst genommen werden und ein reibungsloser Prozess gewährleistet ist.“

Bei der Arbeit

Hörgeschädigte arbeiten oft über viele Jahre hinweg in derselben Position und erbringen gute Leistungen. Leider erhalten sie jedoch häufig weder Fortbildungen noch verbesserte Arbeitsbedingungen. Dies führt dazu, dass sie über Jahre hinweg in ihrer Position stagnieren und keine Möglichkeit zur beruflichen Weiterentwicklung haben. Es ist wichtig zu wissen, dass Hörgeschädigte die Möglichkeit haben, beim Inklusionsamt oder Arbeitsamt Unterstützung zu beantragen, um Fortbildungen oder Weiterbildungen zu erhalten. Dies ist besonders wichtig, wenn im Betrieb hochmoderne Maschinen eingesetzt werden, die von Hörgeschädigten ohne entsprechende Schulung nicht genutzt werden dürfen. Es ist bedauerlich, dass trotz ihrer langjährigen Arbeit Hörgeschädigte oft eine schlechte Rente erhalten.

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