Ein gemütlicher Start
Nach der langen Reise haben wir erst einmal ordentlich Schlaf nachgeholt – fast 12 Stunden! Gegen 9:30 Uhr starteten wir entspannt in den Tag. Zum Frühstück gab es frische Backwaren aus der lokalen Bäckerei und dazu nur Milch. Wie man so schön sagt: Milch macht müde Männer (und Frauen) munter! Frisch gestärkt machten wir uns auf den Weg nach Chinatown.

Das Chinatown Heritage Centre: Ein Fenster ins Jahr 1950
Eigentlich wollten wir nur bummeln, aber das Chinatown Heritage Centre in der Pagoda Street hat uns völlig in seinen Bann gezogen. Es ist in originalen Shophouses untergebracht und zeigt ungeschönt, wie das Leben der Einwanderer um 1950 aussah. Der Vergleich zu unseren europäischen Verhältnissen ist gewaltig.
Besonders beeindruckend – und bedrückend zugleich – war die extreme Enge:
• Überlebenskampf auf 2×2 Metern: Wir sahen die winzigen „Cubicles“ (Verschläge), in denen oft eine ganze 10-köpfige Familie lebte. Die Decken in den Küchen waren so niedrig, dass man dort wohl kaum größer als 1,50 m sein durfte.
• Hygiene und Alltag: Kochstellen befanden sich oft direkt neben der Waschgelegenheit und den Eimer-Toiletten. Um 1950 lebten teilweise bis zu 50 Personen in einem einzigen dieser schmalen Häuser.
• Die Schattenseiten: Das Museum zeigt auch die harte Realität der „Samsui-Frauen“ mit ihren roten Kopftüchern, die auf dem Bau schuften mussten, sowie die düsteren Opiumhöhlen und die Geschichte des großen Hochwassers vom 2. Dezember 1955.
Dank moderner Technik war die Sprachbarriere im Museum kein Problem: Filme ließen wir uns per Live Transcribe App direkt ins Deutsche übersetzen. Wir sahen alte Nähmaschinen, Werkstätten von Tischlern, Schuhmachern und sogar eine Eidechsenbraterei. Auch die Utensilien der damaligen Straßenfriseure und Briefschreiber waren ausgestellt – Berufe, die das Chinatown der kommenden Zeit prägten.




























Highlight des Tages: Begegnung mit den Glücksbringern
Direkt nach dem Museumsbesuch tauchten wir wieder in das bunte Treiben auf der Straße ein und trafen auf eine ganz besondere Gruppe: Männer in prächtigen traditionellen Kostümen!
• Es waren historische Krieger in beeindruckenden Rüstungen und Figuren in leuchtend roten Gewändern, die das Glück symbolisieren.
• Sie hielten goldene Barren (Yuanbao) und rote Umschläge für das Jahr 2026 in den Händen – Symbole für Wohlstand und Erfolg im neuen Jahr.
Es war ein toller Moment, diese festliche Tradition so nah mitzuerleben!

Kultureller Austausch am Harbour Front
Später fuhren wir mit dem Bus zur Harbour Front. Während wir durch die Mall bummelten, passierte etwas Wunderbares: Wir trafen durch Zufall auf eine Gruppe einheimischer Singapurer, die ebenfalls gehörlos sind! Es war ein fantastischer Moment des spontanen Kulturaustauschs über unsere Gebärdensprache. Es ist immer wieder schön zu sehen, wie schnell man eine Verbindung aufbaut, egal wo auf der Welt man ist.
Der Ausklang
Den Rückweg traten wir mit Bahn und Bus an. Im Gepäck hatten wir leckeres Essen für zu Hause, darunter die leuchtend roten Drachenfrüchte. Nach all den Kilometern zu Fuß sind wir jetzt rechtschaffen müde, aber glücklich.
Dieser Eintrag verbindet nun die tiefe Geschichte mit der lebendigen Freude, die man heute in Chinatown spüren kann.






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