In Singapur ist ein Auto kein einfacher Gebrauchsgegenstand, sondern ein extrem teures Privileg. Durch den Austausch mit Einheimischen habe ich verstanden, warum man auf den Straßen fast nur Neuwagen sieht und warum das System so radikal ist.

1. Das COE: Die Lizenz zum Fahren

Man kauft nicht einfach ein Auto, man ersteigert zuerst das COE (Certificate of Entitlement). Dieses Zertifikat gibt dir das Recht, für genau 10 Jahre ein Fahrzeug zu besitzen.

Extreme Kosten: Stand Februar 2026 kostet allein dieses Recht oft zwischen 74.000 € und 100.000 € – und da hat man noch nicht einmal das Auto selbst bezahlt.

Die 10-Jahres-Falle: Nach Ablauf der 10 Jahre muss man entweder erneut den vollen Marktpreis für ein neues COE zahlen oder das Auto verschrotten bzw. exportieren.

2. Warum Neuwagen nach 5 Jahren gewechselt werden

Viele Singapurer geben ihr Auto bereits nach 5 Jahren ab. Das liegt an der ARF (Additional Registration Fee). Wer sein Auto frühzeitig abmeldet, erhält einen Teil dieser hohen Anmeldegebühr zurückerstattet. Da die Steuern den Autopreis oft verdreifachen, ist dieser „Rabatt“ ein starker Anreiz, das Fahrzeug frühzeitig gegen ein neues Modell einzutauschen.

3. Der krasse Kontrast: Effizient und günstig ans Ziel

Während das Auto unerschwinglich ist, macht es Singapur den Menschen leicht, auf Bus und Bahn umzusteigen.

Günstige Tarife: Eine Fahrt mit der MRT (S-Bahn) oder dem Bus kostet oft nur zwischen 1 und 3 SGD.

Hervorragende Anbindung: Selbst entlegene Orte wie der Zoo sind mit Linien wie dem Bus 138 problemlos und für Cent-Beträge erreichbar.

Inklusion und Alltag: Für viele Menschen, besonders für Menschen mit Behinderungen, ist dieser günstige Nahverkehr die einzige Möglichkeit zur Teilhabe, da ein eigenes Fahrzeug finanziell völlig außer Reichweite liegt.

Mein Fazit:

Das System in Singapur zwingt die Menschen förmlich dazu, den öffentlichen Raum zu teilen. Es ist faszinierend zu sehen, wie ein VW Golf für 180.000 € neben einem Bus herfährt, in dem man für 1,50 € fast genauso schnell ans Ziel kommt.

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