Einführung

Unsere Reise nach Singapur war voller wunderbarer Erlebnisse, aber die letzten Tage wurden zu einem Albtraum, den wir so schnell nicht vergessen werden. Was als entspannter Urlaub begann, endete in einem verzweifelten Kampf um unsere Rückreise nach Deutschland, überschattet von den schrecklichen Nachrichten über den Kriegsausbruch im Nahen Osten zwischen den USA, Israel und dem Iran. Wir möchten unsere Geschichte erzählen, um zu zeigen, wie schnell sich eine Situation zuspitzen kann und mit welchen Barrieren Menschen mit Behinderungen in Krisenzeiten konfrontiert sind. Besonders das Verhalten des Reiseportals fluege.de hat uns fassungslos gemacht.
Die wachsende Unruhe
Schon Tage vor unserem geplanten Rückflug am 6. März 2026 beobachteten wir besorgt die Nachrichten. Die Spannungen im Nahen Osten eskalierten, und die Schließung des Luftraums über dem Iran und benachbarten Ländern schien unvermeidlich. Jeden Tag checkten wir nervös den Status unseres Fluges EY 499 mit Etihad Airways über Abu Dhabi. Die Ungewissheit war zermürbend. Wir sahen, wie Flüge am 2., 3. und 4. März storniert wurden. Ein kurzer Hoffnungsschimmer keimte auf, als am 5. März ein Flug stattfand, aber dieser war nur für einheimische Passagiere aus Abu Dhabi und nicht für Touristen. Die Enttäuschung war riesig.
Der erste Kontakt mit fluege.de – Ohne Probleme
Da wir in unserer Unterkunft kein WLAN hatten, machten wir uns am 3. März (Dienstag) auf den Weg zu Starbucks, um eine stabile Verbindung zu haben. Ich kontaktierte fluege.de über den Dienst TESS, um Informationen über unseren Rückflug am 6. März zu erhalten. Da ich gehörlos bin, nutze ich TESS, um über eine Gebärdensprachedolmetscherin zu telefonieren.
An diesem Tag verlief das Gespräch völlig problemlos. Die TESS-Dolmetscherin übersetzte, und die Mitarbeiterin von fluege.de gab uns Auskunft. Es gab keinerlei Einwände wegen der Dolmetscherin als „dritter Person“, und es wurde keine Vollmacht verlangt. Die Mitarbeiterin erklärte, Etihad sei für den nächsten Rückflug zuständig, falls der 6. März gestrichen würde. Sie erklärte alles genau, damit uns keine unnötigen Kosten entstehen. Ich fühlte mich informiert, und wir gingen davon aus, dass die Kommunikation auch im Ernstfall funktionieren würde. Wie naiv wir waren.
Die Hiobsbotschaft
Ich beobachtete den Flug EY 499 weiter. Auch am 4. März wurde er storniert. Dann, am 6. März gegen 2 Uhr nachts, erhielt ich die Nachricht von Etihad: Unser Flug wurde gestrichen. Nicht nur für den 6., sondern auch für den 7. März. Etihad buchte uns zwar automatisch für den 7. März um, aber nur wenige Stunden später wurde auch dieser Flug auf unbestimmte Zeit gestrichen. Wir waren am Boden zerstört und voller Angst.
Diskriminierung, Schikane und Frustration am 6. März
In dieser akuten Notlage gingen wir wieder zu McDonald’s, um das WLAN zu nutzen. Meine Travel Sim Karte von der Telekom bot keine sichere Verbindung und unterbrach ständig. Ich versuchte erneut, fluege.de über TESS zu erreichen. Was dann geschah, macht mich immer noch fassungslos und wütend.
Plötzlich, am 6. März, in einer Situation existentieller Angst, war alles anders. Die Mitarbeiterin von fluege.de lehnte das Gespräch ab. Die Begründung: Die TESS-Dolmetscherin sei eine „dritte Person“. Sie forderte eine Vollmacht. Ich war fassungslos. Derselbe Dienst, dieselbe Art der Kommunikation, die drei Tage zuvor noch anstandslos akzeptiert wurde, war nun plötzlich ein Problem.
Ich erklärte ihr über die Dolmetscherin, dass wir uns in einer Notlage befanden, gestrandet waren und dringend Hilfe brauchten. Es interessierte sie nicht. Sie berief sich stur und empathielos auf Datenschutzgesetze. Das war reine Schikane in einer Krisensituation.
Ich war verzweifelt und durcheinander. Schnell schrieb ich auf meinem iPad Mini eine digitale Vollmacht und schickte sie ab. Als ich erneut anrief, behauptete die Mitarbeiterin, es fehle noch etwas in der Vollmacht. Ich war völlig durcheinander und am Rande meiner Kräfte. Ich schrieb die Vollmacht erneut und schickte sie wieder ab. Weitere Versuche, fluege.de zu erreichen, scheiterten. Die Warteschleifen bei TESS sind lang (bis zu einer halben Stunde), und wenn man getrennt wird, landet man wieder ganz unten auf der Liste. Es war nutzlos.
Ich fühlte mich zutiefst diskriminiert und schikaniert. Ein hörender Mensch hätte einfach anrufen und das Problem klären können. Ich hingegen wurde durch plötzliche, bürokratische Hürden und Unverständnis blockiert, die drei Tage zuvor nicht existierten. Alle Gebärdensprachedolmetscher haben eine staatliche Anerkennung. Warum wird uns die Kommunikation in einer Notlage so schwer gemacht? Ich überlege ernsthaft, Klage bei der Antidiskriminierungsstelle gegen fluege.de einzureichen.
Verzweifelte Suche nach Hilfe am Changi Airport
Wir gaben nicht auf. Mit dem Taxi fuhren wir zum Changi Airport, um direkt am Schalter Hilfe zu suchen. Ich hatte einen Text auf Englisch vorbereitet, um unser Problem zu schildern:
URGENT: DEAF PASSENGERS
Our flights for March 6th and 7th were CANCELLED.
The Etihad App shows the WRONG direction (MUC to SIN).
We need a flight FROM Singapore (SIN) TO Munich (MUC).
Booking Code: ZHPVOX
Names: Mario Lee & Swee Hua Lee
Please help us rebook to Munich manually. Thank you!

An der Information trafen wir auf eine unglaublich freundliche singapurische Mitarbeiterin. Sie nahm sich unserer an und kontaktierte Etihad. Die Wartezeit war unendlich. Erst hieß es 2 Stunden, dann 3 Stunden, und so weiter. Insgesamt warteten wir 17 Stunden am Flughafen! Es war ein Bild des Jammers. Überall schliefen Menschen auf dem Boden, auch ich legte mich für ein paar Stunden hin. Von Etihad gab es keinerlei Entschädigung – keine Verpflegungsgutscheine, keine Hotelunterbringung. Die Begründung: Ihre Hände seien gebunden, da es sich um eine Kriegssituation handele. Wir waren hungrig und suchten verzweifelt nach etwas Billigem zu essen. Meine Frau blieb die vollen 17 Stunden wach. Wir waren völlig entkräftet, unsere Körper spielten nicht mehr mit.
Die singapurische Mitarbeiterin an der Info riet uns, kurz nach Hause zu fahren, um uns auszuruhen.

Wir hatten nur 2 Stunden Zeit, dann mussten wir wieder am Flughafen sein, pünktlich um 16:25 Uhr. Als wir zurückkamen, begleitete uns die wunderbare Frau direkt zu Etihad, um die Situation endgültig zu klären. Wieder folgten 5 Stunden harter Kampf. Die Kommunikation erfolgte mühsam über Übersetzungs-Apps (Englisch-Deutsch), um Missverständnisse zu vermeiden. Die Etihad-Mitarbeiter konnten uns keine klare Auskunft geben, wann ein Rückflug über Abu Dhabi wieder möglich sein würde. Alles war ungewiss.
Die Rettung und der teure Preis
Die singapurische Mitarbeiterin an der Info schlug vor, uns auf eine andere Fluggesellschaft, die Lufthansa, umzubuchen. Ich stimmte sofort zu. Wir wollten einfach nur nach Hause. Der Etihad-Mitarbeiter stellte uns einen Zettel für eine Teilrückerstattung aus. Dann begann die singapurische Mitarbeiterin mit der Umbuchung. Es war ein Wettlauf gegen die Zeit. Ein Flug am 16. März war in Sekunden weg. Schließlich fand sie eine Verbindung am 22. März von Singapur über München nach Berlin. Ich sagte sofort zu. Wir wollten endlich deutschen Boden unter den Füßen spüren.
Die Mitarbeiterin machte alles fertig. Leider war der Preis für die Umbuchung astronomisch: 4932,20 Singapur-Dollar für uns beide (ca. 3329 Euro). Ich hatte keine andere Wahl und zahlte den Betrag über PayPal in Raten. Als wir endlich unsere Tickets für den 22. März in den Händen hielten, waren wir einfach nur erschöpft. Um uns herum sahen wir weinende Familien mit Kindern, die ebenfalls gestrandet waren und zusätzliche Hotel- und Verpflegungskosten tragen mussten. Wir hatten Glück im Unglück, dass wir bei meinen Schwiegereltern wohnen konnten.
Ein Dankeschön von Herzen
Ich möchte mich aus tiefstem Herzen bei der singapurischen Mitarbeiterin am Changi Airport bedanken. Ohne ihre Hilfe wären wir hilflos gewesen. Sie hat ein wundervolles, gutes Herz. Ich habe ihr ein Feedback auf Englisch hinterlassen:
Thank you so much for your help. We have been here for 15 hours and were completely exhausted. You were the only one who finally found a solution for us with Lufthansa. We truly appreciate your kindness and professionalism. You saved us today.
(Auf Deutsch: Vielen Dank für Ihre Hilfe. Wir waren 15 Stunden hier und völlig erschöpft. Sie waren die Einzige, die endlich eine Lösung mit Lufthansa für uns gefunden hat. Wir schätzen Ihre Freundlichkeit und Professionalität sehr. Sie haben uns heute gerettet!)
Fazit und Ausblick
Diese Erfahrung hat uns tief geprägt. Sie hat uns gezeigt, wie zerbrechlich unsere Reisepläne sein können und wie wichtig menschliche Güte und Professionalität in Krisenzeiten sind. Gleichzeitig hat sie uns die eklatanten Mängel und die willkürliche Schikane in der Kommunikation von Reiseportalen wie fluege.de vor Augen geführt, die Menschen mit Behinderungen diskriminieren. Ich werde rechtliche Schritte gegen fluege.de prüfen. Auf unserem Ticket steht ausdrücklich, dass wir gehörlose Passagiere sind. Eine solche Behandlung, besonders der krasse Unterschied im Verhalten zwischen dem 3. und 6. März, ist inakzeptabel. Wir sind froh, wieder zu Hause zu sein, aber die Erinnerung an diese schweren Tage wird uns noch lange begleiten.

















Sehr geehrter Herr Lee,
vielen Dank für Ihre Rückmeldung zur Ihrer Flugbuchung 16061864/LXPHLQ. Gerne informieren wir Sie über die Bevollmächtigung von Dritten.
Damit eine Drittperson in Ihrem Auftrag Änderungen an Ihrer Flugbuchung vornehmen kann, füllen Sie bitte das angehängte Formular vollständig aus. Bitte verwenden Sie ausschließlich unsere Vorlage – eine eigenständig verfasste Vollmacht können wir nicht berücksichtigen.
Sobald Sie uns das ausgefüllte Formular zugesendet haben, kann die bevollmächtige Person die von Ihnen angegebenen Änderungen vornehmen.
Bei weiteren Fragen sind wir gern für Sie da.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Herr Nura
Invia Flights Germany GmbH
Dittrichring 18-20
04109 Leipzig
Germany
Telefonanschluss:
+49 (0) 341 – 35575 85530
kundenservice@fluege.de
www.fluege.de
Amtsgericht Leipzig, HRB 33502
USt-IdNr.: DE815682930
Geschäftsführer: Hans-Peter Buniat, Benedikt Müller



Muss ich Vollmacht schreiben?
Das ist genau der Punkt, der die Diskriminierung so deutlich macht: Nein, es ist nicht richtig.
Ein Gebärdensprachdolmetscher ist kein „Dritter“ im Sinne einer Person, die für mich Entscheidungen trifft oder Auskünfte einholt. Er ist ein Kommunikationsmittler – also quasi dein „technisches Hilfsmittel“ in menschlicher Form.
Hier ist die direkte Antwort auf meine Fragen:
• Brauchen Hörende das? Nein. Ein hörender Mensch kann einfach anrufen. Niemand fragt ihn am Telefon, ob er „wirklich“ er selbst ist oder ob seine Ohren und seine Stimme als „Dritte“ gelten.
• Ist der Dolmetscher ein Bevollmächtigter? Nein. Der Dolmetscher übersetzt nur 1:1, was ich sage. Er handelt nicht in seinem eigenen Namen, sondern ist meine Stimme. Die Forderung nach einer Vollmacht für einen Dolmetscherdienst wie TESS (der staatlich anerkannt ist) ist eine unnötige Barriere.
• Notfall vs. Hilflos: Dass ich im Notfall war und nur umbuchen wollte, macht das Verhalten von fluege.de noch schlimmer. Indem sie die Kommunikation verweigert haben, haben sie mich künstlich „hilflos“ gemacht, obwohl ich völlig selbstständig handeln wollte.






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