Am 28. September 2026 wurde in Passau vorgestellt, wie der städtische Busverkehr künftig aussehen soll. Dazu kamen Themen wie mehr Grün in der Innenstadt und neue Alkoholverbotszonen. Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte.
Der Hintergrund: Ein Millionen-Defizit
Der Busverkehr in Passau macht jährlich ein Defizit von rund 8,5 Millionen Euro. Ziel ist es, etwa 3 Millionen Euro pro Jahr einzusparen. Dafür sollen rund 25 Prozent weniger Kilometer gefahren werden. Laut Stadt merken etwa 10 Prozent der Fahrgäste die Änderungen direkt, alle Stadtteile bleiben mindestens im Stundentakt erreichbar.
Grundlage sind erstmals umfangreiche Daten: Automatische Fahrgastzählungen in allen Stadtbussen mit über einer Million Datensätzen aus dem ersten Halbjahr sowie Simulationen von rund 200.000 täglichen Wegen.
Was sich ändern soll
- Hauptachsen bleiben stabil, Einschnitte gibt es vor allem in den Außenbereichen.
- Linien werden gebündelt und teilweise auf einen 60-Minuten-Takt umgestellt. Einzelne Linien entfallen oder werden verlegt.
- Weniger Haltestellen, Alternativen sollen meist in 150 bis 300 Metern erreichbar sein.
- On-Demand-Verkehr ersetzt schwach genutzte Strecken im Nordosten, Südosten und Südwesten sowie Teile des Abend- und Nachtverkehrs. Gebucht wird per App oder Telefon.
- Am Wochenende wird das Angebot samstags um rund 23 und sonntags um rund 34 Prozent reduziert.
- Schülerverkehr soll in seiner Qualität gesichert bleiben.
Digital und neu: App und Reallabor
Eine Passau-ÖPNV-App soll digitales Bezahlen, Fahrplanauskunft und Live-Daten bündeln. Bargeld und Telefonbuchung bleiben parallel möglich. Ab dem zweiten Quartal 2027 ist zudem ein einjähriges Reallabor mit drei bis vier kleinen Elektrofahrzeugen geplant, das nach Angaben der Stadt keine zusätzlichen kommunalen Kosten verursachen soll.
Bürgerbeteiligung
Bis Mitte November sind Stadtteilversammlungen und eine Online-Plattform geplant. Nach dem Start sollen vier- bis sechswöchige Testphasen zeigen, wo nachgebessert werden muss.
Weitere Themen: Grün und Sicherheit
In der Fußgängerzone sollen neue Pflanztröge vor Hitze schützen, wo keine Bäume gepflanzt werden können. Für Ludwigsplatz, Gattingerstraße und Ludwigstraße erarbeitet ein externes Büro Pläne zur Entsiegelung, weitere Maßnahmen sind für 2027 vorgesehen. Außerdem werden am Nibelungenplatz und im Bahnhofsbereich Alkoholverbotszonen eingeführt, vor allem zum Schutz von Kindern und Jugendlichen.
Mein Blick: Barrierefreiheit nicht vergessen
Als gehörloser Mensch schaue ich bei solchen Plänen genau hin. On-Demand-Busse können eine echte Chance sein, aber nur, wenn die Buchung für alle funktioniert. Eine Telefonbuchung hilft mir nicht. Deshalb muss die App einfach, zuverlässig und barrierefrei sein, und auch Haltestellen-Änderungen müssen gut sichtbar angekündigt werden, nicht nur per Durchsage. Ich werde die Bürgerbeteiligung nutzen, um genau das einzubringen.
Quelle: eigene Mitschrift der Vorstellung am 28.09.2026 in Passau. Angaben ohne Gewähr. © 2026 Mario Lee


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