Ich habe noch einmal meine Beiträge über Umwelt in Singapur gelesen. Alles, was dort steht, habe ich bei sieben Besuchen mit meinen eigenen Augen gesehen. Und mir ist dabei etwas klar geworden: Singapur plant oft für 50 oder sogar 100 Jahre im Voraus. Hier in Passau erlebe ich oft das Gegenteil.

Singapur baut heute schon für das Meer von morgen
Singapur ist eine kleine Insel, und ein großer Teil des Landes liegt nur wenige Meter über dem Meer. Laut der Stadtplanungsbehörde URA liegt rund 30 Prozent der Fläche weniger als 5 Meter über dem heutigen Meeresspiegel. Bis zum Jahr 2100 könnte der Meeresspiegel dort um bis zu 1,15 Meter steigen. Kommen Sturmflut und Flut dazu, kann das Wasser 4 bis 5 Meter über dem heutigen Stand erreichen.
Singapur wartet nicht, bis es nasse Füße bekommt. Es handelt jetzt:
- Flughafen Changi Terminal 5: Das neue Terminal wird mindestens 5 Meter über dem heutigen Meeresspiegel gebaut. Das Gelände in Changi East wurde dafür extra auf 5,5 Meter angehoben.
- Neuer Hafen in Tuas: Auch der riesige neue Containerhafen Tuas wird mindestens 5 Meter über dem Meer gebaut.
- Jedes neue Bauland: Seit 2011 muss neues Land mindestens 4 Meter über dem Meeresspiegel liegen, vorher waren es 3 Meter.
- „Long Island“: Vor der Ostküste sollen neue Landflächen entstehen, die die Küste schützen. Die Idee stammt schon aus dem Jahr 1991. Ende 2026 beginnen die Vorarbeiten.
- Ein eigenes Gesetz: Im März 2026 hat das Parlament ein Gesetz zum Küstenschutz beraten. Die Wasserbehörde PUB wird zur nationalen Küstenschutz-Behörde. Grundstückseigentümer an der Küste bekommen rund zehn Jahre Vorlauf, um sich vorzubereiten.
Schon 2019 sagte der damalige Premierminister Lee Hsien Loong, der Schutz vor dem steigenden Meer könne in den nächsten 100 Jahren 100 Milliarden Singapur-Dollar oder mehr kosten. Das ist viel Geld. Aber Singapur sagt es offen und plant es ein, Schritt für Schritt.
Das gleiche Denken bei Müll, Wasser und Grün
Dieses Denken habe ich überall in Singapur gesehen. Die Mülldeponie Pulau Semakau im Meer wurde so gebaut, dass dort heute Mangroven wachsen und Reiher leben. Mit NEWater wird Abwasser zu Trinkwasser aufbereitet, damit das Land weniger vom Wasser aus Malaysia abhängig ist. Und neue Hochhäuser müssen das Grün, das sie verbrauchen, auf Dächern und Terrassen zurückgeben.
Darüber habe ich schon ausführlich geschrieben:
- 🏝️ Von der Mülltonne ins Inselparadies: Pulau Semakau
- ♻️ Wie Singapur Müll, Wasser und Energie neu denkt
- 🌿 Stadt in der Natur: Wie Singapur grün baut
Und in Passau? Das Beispiel Hängebrücke

Als Berichterstatter verfolge ich die Sitzungen des Passauer Stadtrats. Dort sehe ich oft, dass vor allem über das nächste Jahr oder den nächsten Haushalt diskutiert wird. Das beste Beispiel ist die Hängebrücke über die Donau.
2017/18 wurde die Brücke für rund 4 Millionen Euro saniert. Nur acht Jahre später, am 26. Oktober 2026, hat der Stadtrat beschlossen: Die Brücke wird abgerissen und neu gebaut. Die Gutachter fanden Rost tief in den Tragseilen, in den Verankerungen und im Brückendeck. Ein Neubau wird nach erster Schätzung zwischen 34 und 39,5 Millionen Euro kosten.
Ich will fair sein: Laut Verwaltung würde die Brücke ohne die Sanierung von 2017/18 heute gar nicht mehr stehen. Ganz umsonst war das Geld also nicht. Und die Seile stammen noch von 1948, eine einfache Reparatur hilft da nicht mehr. Trotzdem frage ich mich: Hätte man nicht schon damals ehrlich prüfen müssen, wie lange diese Brücke noch hält? Hätte man nicht schon 2017 über einen Neubau nachdenken können? Dann wären die 4 Millionen vielleicht in die Zukunft geflossen und nicht in ein Bauwerk, das jetzt doch abgerissen wird.
Meine Berichte dazu: Meine Meinung vor der Entscheidung und Stadtrat: Die Hängebrücke wird abgerissen und neu gebaut.
Was ich mir für Passau wünsche
Natürlich ist Passau nicht Singapur. Singapur ist ein ganzer Staat mit viel mehr Geld und kurzen Wegen in der Verwaltung. Passau muss mit wenig Geld auskommen und ist auf Fördermittel von Land und Bund angewiesen. Auch Passau kennt das Wasser: Beim Hochwasser 2013 stand die Altstadt so hoch unter Wasser wie seit Jahrhunderten nicht mehr, und seitdem wurde viel für den Hochwasserschutz getan.
Aber eine Sache kann jede Stadt von Singapur lernen, egal wie groß sie ist: Nicht nur an morgen denken, sondern an die Kinder und Enkel. Bevor man Millionen in eine Sanierung steckt, sollte man ehrlich fragen: Wie lange hält das wirklich? Was brauchen wir in 30 oder 50 Jahren? Ich wünsche mir, dass der Stadtrat bei der neuen Hängebrücke genau so denkt. Die Entscheidung über die Variante fällt in der Sondersitzung am 7. Dezember. Ich werde berichten.
Quellen: PUB Singapur (Coastal Protection), URA Master Plan 2025, Rede von Ministerin Grace Fu im Parlament am 6. März 2026, Verkehrsministerium Singapur (2023), Stadt Passau und meine eigenen Berichte aus dem Stadtrat.





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