Im März habe ich über Pulau Semakau geschrieben, die Mülldeponie im Meer, auf der Mangroven, Seegras und Korallen wachsen. Der Artikel beruhte auf Recherche. Seitdem ließ mich die Insel nicht mehr los. Ich wollte sie endlich mit eigenen Augen sehen und euch eigene Fotos zeigen.
Ich war schon sieben Mal in Singapur, auch bei der Familie meiner Frau. Also habe ich mir ein Herz gefasst und der Umweltbehörde NEA (National Environment Agency) geschrieben. Ich habe gefragt, ob ich Semakau bei meiner nächsten Reise besuchen darf.
Die Antwort der NEA
Nach nur wenigen Tagen kam eine persönliche Antwort aus Singapur. Die Nachricht war freundlich, aber klar: Die Semakau-Deponie ist wegen betrieblicher Einschränkungen bis auf Weiteres für die Öffentlichkeit geschlossen. Mein Besuch ist deshalb im Moment nicht möglich.
Falls Besuche nach 2027 wieder möglich werden, will die NEA das auf ihrer Website bekanntgeben. Ich werde das beobachten und euch Bescheid sagen.
Und dann kam eine schöne Überraschung: Die NEA hat mir erlaubt, ihr offizielles Merkblatt für Besucher ins Deutsche zu übersetzen und hier zu veröffentlichen. Zum Schluss hat sie sich sogar für die Unterstützung bedankt, die Informationen an mehr Menschen weiterzugeben. Darüber habe ich mich sehr gefreut.
Warum die Schließung auch etwas Gutes hat
Natürlich bin ich ein bisschen enttäuscht. Aber Semakau ist keine Touristenattraktion, sondern eine Deponie, die jeden Tag arbeitet. Singapur verbrennt seinen Müll, und die Asche kommt per Schiff auf die Insel. Wenn der Betrieb es gerade nicht zulässt, geht er vor. Und je weniger Menschen kommen, desto mehr Ruhe haben die Reiher, Seesterne und Korallen dort.
Für mich zeigt die Antwort auch, wie Singapur arbeitet: offen, freundlich und zuverlässig. Ich habe als Blogger aus Deutschland geschrieben und innerhalb weniger Tage eine persönliche Antwort bekommen.
Das offizielle NEA-Merkblatt auf Deutsch
Hier ist das Merkblatt der NEA für Besuche auf Semakau und in den Müllverbrennungsanlagen, übersetzt von mir. Bitte beachtet: Im Moment sind Besuche auf Semakau ausgesetzt. Die Regeln gelten erst wieder, wenn die Insel öffnet.
Ablauf eines Besuchs auf Semakau
- Einführung mit Fragen und Antworten: 40 Minuten
- Ausstellung in der Galerie: 10 Minuten
- Führung über die Deponie, davon 15 Minuten an der Südspitze: 50 Minuten
- Gesamt: 1 Stunde 40 Minuten
Anmeldung
- Gruppen buchen online über das NEA ePortal. Einzelpersonen können dort nicht buchen.
- Die Buchung muss mindestens drei Wochen vor dem Besuch erfolgen.
- Ohne Anmeldung und gültige Genehmigung kommt niemand auf die Insel.
- Die Termine werden pro Quartal freigeschaltet: Januar bis März ab Ende November des Vorjahres, April bis Juni ab Ende Februar, Juli bis September ab Ende Mai, Oktober bis Dezember ab Ende August.
- Die Führung ist kostenlos.
Wichtige Regeln für Semakau
- Gruppen von mindestens 15 und höchstens 38 Personen.
- Besuchszeiten: werktags 14 bis 16 Uhr, samstags 10 bis 12 Uhr. Keine Besuche an Sonntagen und Feiertagen.
- Kinder unter 7 Jahren dürfen nicht mit. Kinder von 7 bis 11 Jahren nur mit einem Erwachsenen pro Kind. 12-Jährige müssen von Erwachsenen begleitet werden.
- Die Gruppe chartert selbst eine Fähre für Hin- und Rückfahrt, am besten erst nach der Zusage und am besten ab dem Pasir Panjang Ferry Terminal. Die Fährkosten trägt die Gruppe.
- Bequeme Kleidung und geschlossene Schuhe. Keine hohen Absätze und keine Badelatschen.
- Getränke und kleine Snacks mitbringen, denn auf der Insel gibt es keine Verpflegung. Toiletten gibt es im Verwaltungsgebäude und an zwei Stellen entlang der Tour.
- Schnorcheln, Schwimmen, Angeln und Zelten sind verboten.
- Bei Regen findet die Busrundfahrt trotzdem statt, aber man steigt nicht an der Südspitze aus.
- Den Führer stellt die NEA, man muss keinen eigenen mitbringen.
Was man bei der Führung erlebt
Zuerst erklärt die NEA, wie Singapur seinen Abfall entsorgt und wie Semakau entstanden ist. Danach sieht man die Ausstellung in der Galerie. Dann fährt ein Bus über die Deponie und zeigt die Anlagen. Wenn das Wetter mitspielt, steigt man an der Südspitze aus. Das ist der schönste Teil der Insel, mit Meeresbrise und tollem Blick für Fotos.
Wattwanderung am Westufer
Das Westufer von Semakau hat Mangroven, Seegraswiesen und ein großes Riffwatt. Bei Ebbe unter 0,5 Metern kann man dort eine Wattwanderung machen. Sie gehört nicht zur NEA-Führung. Man braucht einen lizenzierten Naturführer, passende Schuhe und eine eigene Genehmigung der NEA für Datum, Anleger und Zugang zum Watt. Als Beispiele nennt die NEA das Lee Kong Chian Natural History Museum und The Nature Workshop.
Besuch in einer Müllverbrennungsanlage
Das Merkblatt gilt auch für Singapurs Müllverbrennungsanlagen. Dort sind Gruppen von 25 bis 40 Personen nötig, Besucher müssen mindestens 12 oder 13 Jahre alt sein, und während der Führung sind Fotos verboten. Besuche gibt es werktags von 10 bis 11:30 Uhr und von 14:30 bis 16 Uhr. Die Gruppe reist mit einem eigenen Bus an, und Besucher tragen lange Hosen und rutschfeste Schuhe.
Einzelpersonen haben eine kleine Chance über das Programm „Clean and Green Singapore“: In der zweiten Jahreshälfte gibt es manchmal Termine, für die man sich einzeln anmelden kann. Ankündigungen stehen auf der Facebook-Seite von Clean and Green Singapore.
Mein Fazit
Semakau muss noch warten, aber ich gebe nicht auf. Sobald die NEA wieder Besuche anbietet, plane ich meinen Besuch und berichte euch live von der Insel. Bis dahin bleibt Semakau für mich das schönste Beispiel dafür, dass Müll und Natur sich nicht ausschließen müssen.
Habt ihr schon einmal eine Behörde im Ausland angeschrieben? Schreibt es mir in die Kommentare! 👇
Quelle: National Environment Agency (NEA), Singapur: „Public Visits to Waste-To-Energy Plants and Semakau Landfill“. Original auf Englisch (PDF). Deutsche Übersetzung von Mario Lee, veröffentlicht mit Erlaubnis der NEA.





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