
Vor ein paar Tagen habe ich zufällig eine Präsentation über die Golden Gate Bridge in San Francisco gesehen. Sie wurde 1933 bis 1937 gebaut und ist bis heute in Betrieb, über 85 Jahre später. Da habe ich sofort an unsere Hängebrücke in Passau gedacht, die Prinzregent-Luitpold-Brücke. Sie ist von 1910, und der Stadtrat hat am 26. Oktober beschlossen, sie abzureißen und neu zu bauen. Meine Frage: Warum hält die eine, und die andere nicht?
Die Golden Gate Bridge in Zahlen
- Eröffnet im Mai 1937, damals die Hängebrücke mit der größten Spannweite der Welt
- 1.280 Meter zwischen den beiden Türmen, insgesamt 2.737 Meter lang
- Zwei Hauptkabel, jedes 92 Zentimeter dick, mit je 27.572 einzelnen Drähten
Das Geheimnis: Sie wird nie in Ruhe gelassen
Die Golden Gate Bridge steht nicht einfach so. Die Brückenverwaltung hat eine eigene Mannschaft, die jeden Tag an ihr arbeitet. Laut ihrer Website sind das zurzeit 28 Maler, 5 Malerhelfer, 16 Stahlbauer und ein Chef-Maler. Die salzige Meeresluft greift den Stahl ständig an. Deshalb wird ohne Pause gestrichen und rostiger Stahl repariert, zuerst dort, wo die Kontrollen Rost zeigen.
Und: Viele Teile der Brücke sind gar nicht mehr von 1937.
- Nieten: Seit 1970 werden die alten Nieten nach und nach durch hochfeste Schrauben ersetzt, seit Mitte der 1970er durch verzinkte.
- Hängeseile: Von 1973 bis 1976 wurden alle 250 Paare der senkrechten Hängeseile ausgetauscht, während der Verkehr weiterlief.
- Fahrbahn: Von 1982 bis 1986 bekam die Brücke eine neue, leichtere Fahrbahn aus Stahl statt Beton.
- Erdbebenschutz: Nachgerüstet wurde 1980 bis 1982 und noch einmal ab 1997.
Was nicht ausgetauscht wurde, sind die beiden großen Hauptkabel. Sie stammen noch aus der Bauzeit und tragen die Brücke bis heute.
Und unsere Hängebrücke?
In Passau ist es genau umgekehrt. Bei uns sind die wichtigsten Teile das Problem. So hat es das Ingenieurbüro in der Stadtratssitzung am 26. Oktober erklärt:
- Das Haupttragseil besteht aus sieben gebündelten Seilen. Sie wurden 1948 eingebaut, nur verzinkt, und 1988 saniert.
- Die Dichtmasse zwischen den Seilen löst sich, Wasser dringt ein. Bei entnommenen Drähten fand man Rost auch im Inneren und schon gerissene Drähte. In so ein Seilbündel kann man heute mit keiner Technik hineinschauen.
- In den Kammern, in denen die Seile verankert sind, steht teilweise Wasser. Nieten und Seile sind dort zum Teil stark verrostet.
- Auch das genietete Brückendeck rostet wieder, obwohl es 2017/18 für rund 4 Millionen Euro saniert wurde.
Bei der Golden Gate Bridge konnte man Hängeseile, Nieten und Fahrbahn austauschen, weil die Hauptkabel gesund sind. In Passau müssten für eine Sanierung alle Seile ersetzt und die Verankerungen neu gebaut werden. Das ist fast so viel Arbeit wie ein Neubau. Deshalb liegen die Kosten so nah beieinander: Die Sanierung würde laut Studie etwa 31 Millionen Euro kosten, ein Neubau je nach Variante etwa 34 bis 39,5 Millionen Euro.
Beide stehen im Nebel
Ende Oktober meldete der Bayerische Rundfunk: Passau ist die Nebelhauptstadt Deutschlands. Laut Deutschem Wetterdienst gibt es hier mehr als 122 Nebeltage im Jahr, also an jedem dritten Tag. Auf Platz zwei liegt Ulm mit 91 Tagen. Ein Experte des Wetterdienstes nennt die Gründe: die Kessellage im Donautal, wenig Wind und die drei Flüsse Donau, Inn und Ilz. Die Feuchtigkeit bleibt über Nacht hängen. Für Stahl ist das schlecht, denn er rostet vor allem, wenn er feucht ist. Unsere Hängebrücke über der Donau ist also besonders oft nass. Aber auch die Golden Gate Bridge ist für ihren Nebel berühmt, und dort kommt noch salzige Meeresluft dazu. Der Nebel allein erklärt die Schäden in Passau also nicht. Das Gutachten nennt vor allem Wasser, das in die Seile und in die Verankerungskammern eindringt und dort stehen bleibt, und Streusalz im Brückendeck. Der Nebel macht aber deutlich: Eine Brücke in Passau muss besonders gut abgedichtet und besonders oft kontrolliert werden. Das gilt auch für die neue.
Ein Unterschied liegt auch beim Geld
Die Golden Gate Bridge hat eine eigene Verwaltung und nimmt Maut. Mit diesem Geld bezahlt sie ihre feste Mannschaft. Passau muss seine Brücken aus dem normalen Stadthaushalt bezahlen, und der ist knapp. Dazu kommt: Für den Erhalt unserer Brücke stellt die Regierung von Niederbayern laut Beschlussvorlage keine Förderung in Aussicht, für einen Neubau aber 50 bis 90 Prozent der förderfähigen Kosten.
Was ich daraus mitnehme
Eine alte Brücke kann sehr lange halten. Aber nur, wenn man sie ständig pflegt und kaputte Teile rechtzeitig austauscht, und wenn die tragenden Teile gesund bleiben. Die Golden Gate Bridge ist dafür ein gutes Beispiel.
Für Passau bleibt für mich eine Frage offen, die ich gern vor der Sondersitzung am 7. Dezember beantwortet hätte: Wie oft wurden die Seile und Verankerungen in den letzten Jahrzehnten geprüft und geschützt? Und was lernen wir daraus für die neue Brücke, damit sie nicht in 50 Jahren dasselbe Problem hat?
Meine eigene Meinung zur Hängebrücke habe ich vor der Entscheidung hier aufgeschrieben: Die Hängebrücke in Passau: Meine Meinung vor der Entscheidung.
Quellen: Golden Gate Bridge, Highway and Transportation District – Painting the Bridge und Major Bridge Improvements; Machbarkeitsstudie zur Hängebrücke, vorgestellt im Passauer Stadtrat am 26.10.2026; BR24, „Über 120 Tage im Jahr: Passau ist Deutschlands Nebelhauptstadt“, 30.10.2026.





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