
Der Stadtrat der Stadt Passau hat sich in seiner 8. Sitzung am 26. Oktober 2026 im Großen Redoutensaal mehr als drei Stunden lang mit der Hängebrücke beschäftigt. Am Ende stand ein klarer Beschluss: Die Verwaltung soll den Rückbau der Brücke, einen Ersatzneubau an derselben Stelle und eine provisorische Brücke für Fußgänger und Radfahrer planen. Gegen sechs Stimmen wurde das beschlossen. Wie die neue Brücke aussehen soll, ist noch offen. Darüber entscheidet der Stadtrat in einer Sondersitzung am Montag, 7. Dezember. Ich habe die öffentliche Sitzung online verfolgt.
Kurz vor der Sitzung hatte die Verwaltung den Beschlussvorschlag noch geändert. Ursprünglich sollte sich der Stadtrat schon jetzt auf eine Brückenvariante festlegen. Nach vielen Gesprächen in den letzten Tagen wurde das herausgenommen. Punkt 4 der Tagesordnung, die Satzung über Auszeichnungen für besondere Verdienste um die Stadt, war bereits abgesetzt, weil es dazu noch Gesprächsbedarf gibt.
Fragestunde: Schanzlbrücke, Grabengasse, Busse
In der Fragestunde ging es um die Schanzlbrücke. In einem Fernsehbeitrag hatten Vertreter des Staatlichen Bauamts von einer mehrmonatigen Sperrung schon im nächsten Jahr gesprochen. Die Verwaltung sagte, ihr lägen dazu keine Informationen vor. Es gebe weder eine konkrete Anfrage noch einen konkreten Plan. Aus dem Gremium kam die Bitte, so etwas künftig nicht zufällig aus den Medien zu erfahren.
Zur Grabengasse, wo gerade Leitungen verlegt werden, wollte ein Mitglied wissen, ob dabei auch das Pflaster verschönert wird. Der Oberbürgermeister antwortete, das sei bereits in der Haushaltsplanung enthalten. Außerdem hieß es: Aus den ersten beiden Bürgerversammlungen zum neuen Busnetz sind schon Anregungen eingearbeitet worden. Die Änderungen sollen online veröffentlicht werden.
Hängebrücke: Was die Prüfung ergeben hat
Ein Ingenieur des Büros schlaich bergermann partner (sbp) stellte die Machbarkeitsstudie vor. Das Büro war 2026 auch an der Bauwerksprüfung und an der Untersuchung der Seile beteiligt.
Das Haupttragseil besteht aus sieben einzelnen Seilen, die gebündelt sind. Sie wurden 1948 nur verzinkt eingebaut und 1988 saniert. Heute löst sich an vielen Stellen die Dichtmasse zwischen den Seilen, sodass Wasser eindringen kann. An mehreren Stellen tritt Füllmaterial aus, die Fachleute nennen das „Seilbluten“. Dieses Material enthält Wasser. Bei entnommenen Drähten fanden die Prüfer Rost auch in der zweiten und dritten Drahtlage, also im Inneren der Seile, und bereits gerissene Drähte. Das Problem: In ein solches Seilbündel kann man mit keiner heutigen Technik hineinschauen. Wie es innen aussieht, weiß also niemand genau.
Die größte Sorge machen die Verankerungen der Seile. In den Kammern auf der Stadtseite steht teilweise Wasser, auf der Bergseite dringt ständig Wasser ein. Nieten und Verbindungen sind dort zum Teil fast vollständig weggerostet, ebenso die Seile im Bereich der Verankerung.
Auch das Brückendeck ist stark angegriffen. Es besteht aus vielen dünnen, aufeinander genieteten Blechen. In den Spalten sammeln sich Feuchtigkeit und Streusalz. Einzelne Nieten sind ganz durchgerostet, Nietköpfe abgefallen. Die Sanierung von 2017/18 sei fachgerecht gewesen, sagte der Ingenieur. Die Knoten konnten damals aber nur von außen bearbeitet werden, und nach rund acht Jahren rostet es dort wieder. Die Gehwegbleche sind teils schon durchgerostet. Mit Stöckelschuhen müsse man wirklich aufpassen, meinte er.
Die Nachrechnung ergab: Der Versteifungsträger ist an einer Stelle zu 121 Prozent ausgelastet, bei einer Achse der Hängerseile liegt die Auslastung schon ohne Rostschäden bei 110 Prozent. Nur weil derzeit höchstens 3,5 Tonnen über die Brücke dürfen, ist sie noch standsicher. Der Ingenieur betonte aber auch: Man könne heute noch sicher über die Brücke gehen und fahren.
Vorab räumte die Verwaltung mit zwei Gerüchten auf. Die Betonwände, die bei der Sanierung 2017/18 auf die Brücke kamen, hätten keinen Einfluss auf die Tragfähigkeit. Und die Sprengungen beim Bau des Georgsbergtunnels hätten mit dem Rost an Seilen und Deck nichts zu tun.
Sanieren oder neu bauen?
Eine einfache Reparatur reicht laut Studie nicht. Wer die Brücke erhalten will, muss alle Seile ersetzen und die Verankerungen neu bauen. Die Fahrbahnplatte müsste ausgebaut, die Knoten geöffnet und das Deck ausgeschwommen und in Teilen an Land saniert werden. Das dauert länger und hätte große Auswirkungen auf die Bundesstraße B12. Laut Verwaltung könnten danach höchstens normale Busse über die Brücke fahren, aber keine Gelenkbusse.
Für einen Neubau hat das Büro zehn Brückentypen geprüft und drei Favoriten ausgearbeitet: eine Netzwerkbogenbrücke, eine Hängebrücke mit einem Pylon auf der Stadtseite und eine Hängebrücke, die im Berg verankert wird. Die neue Brücke muss ein sehr flaches Deck haben, weil sich weder die Bundesstraße noch die Stadtseite anheben lassen. Für die Planung rechnet man mit etwa eineinhalb Jahren, für den Bau mit rund drei Jahren. In dieser Zeit soll eine Behelfsbrücke für Fußgänger und Radfahrer stehen, über die auch Gas- und Wasserleitungen laufen.
Die grobe Kostenschätzung, brutto und mit Preissteigerung bis 2030/31:
- Sanierung der bestehenden Brücke: etwa 31 Millionen Euro
- Netzwerkbogenbrücke: etwa 34 Millionen Euro
- Hängebrücke mit Pylon auf der Stadtseite: etwa 36 Millionen Euro
- Hängebrücke mit Verankerung im Berg: etwa 38 Millionen Euro
- Neubau genau wie die heutige Brücke: etwa 39,5 Millionen Euro
In der Punktebewertung liegen die drei neuen Entwürfe fast gleichauf. Der Ingenieur sah dennoch Vorteile bei der Variante mit dem Pylon auf der Stadtseite, weil dann nicht in den Berg eingegriffen werden muss. Auch die Verwaltung bevorzugt diese Lösung. Der Pylon wäre etwa 30 Meter hoch. Gegen die Verankerung im Berg sprach aus Sicht der Verwaltung, dass sie nahe am Oberhaus läge, viel Grün kosten würde und auch künftig schwer zu prüfen und zu warten wäre. Am leichtesten zu unterhalten wäre laut Verwaltung die Bogenbrücke.
Förderung, Denkmalschutz, Schifffahrt
Ein wichtiger Punkt ist das Geld. Laut Beschlussvorlage stellt die Regierung von Niederbayern für den Erhalt keine Förderung in Aussicht. Für einen Neubau rechnet die Verwaltung mit 50 bis 90 Prozent der förderfähigen Kosten. Der Oberbürgermeister sagte, deshalb sei der Neubau für die Stadt eindeutig die wirtschaftlichere Lösung. Eine neue Brücke könnte außerdem breiter werden, eigene Geh- und Radwege bekommen, den Radweg-Tunnel besser anbinden und wieder Gelenk- und E-Busse tragen.
Die Hängebrücke ist kein Einzeldenkmal, liegt aber im denkmalgeschützten Altstadt-Ensemble. Das Landesamt für Denkmalpflege prüft den Fall noch. Nach Angaben der Verwaltung sieht das Amt eine zerschnittene, verstärkte und veränderte Brücke nicht mehr als dasselbe Bauwerk an. Eine schriftliche Stellungnahme soll bis zur Sondersitzung vorliegen.
Offen ist noch die Durchfahrtshöhe für Schiffe. Für neue Brücken schreiben die Richtlinien des Bundes eigentlich eine größere Höhe vor, Ausnahmen sind aber möglich. Die Stadt will die heutige Höhe behalten. Der Oberbürgermeister hat dazu nach eigenen Worten schon zweimal an den Bundesverkehrsminister geschrieben und mit ihm gesprochen. Ein Planfeststellungsverfahren ist laut Regierung von Niederbayern nicht nötig.
Warum die Eile? Die Statiker hätten im vergangenen Jahr eine Restlebensdauer von etwa fünf Jahren genannt, sagte der Oberbürgermeister. Innerhalb dieser Zeit müsse die Stadt handeln, sonst müsse die Brücke abgebrochen werden.
Die Diskussion
Mehrere Mitglieder kritisierten, dass sie die rund 80 Seiten lange Präsentation nicht vorab schriftlich bekommen hatten. Einer sagte, er fühle sich von der Fülle an Informationen überfahren. Ein anderer Redner hielt dagegen: Die Fraktionsvorsitzenden hätten die Unterlagen schon seit fast zwei Wochen gehabt.
Gefragt wurde auch, ob die rund 4 Millionen Euro für die Sanierung 2017/18 umsonst gewesen seien. Die Verwaltung widersprach deutlich: Ohne diese Sanierung würde die Brücke heute nicht mehr stehen. Genau sie zeige aber, warum man nicht wieder saniere, denn in 10 bis 15 Jahren hätte man dieselben Probleme. Ein Redner merkte an, dass damals auch giftiger bleihaltiger Anstrich entfernt wurde, der bei einem Abbruch nun nicht mehr entsorgt werden muss.
Einige bedauerten, dass es für den Erhalt kaum Zuschüsse gibt und für einen Neubau viel. Damit werde dem Stadtrat „die Pistole auf die Brust gesetzt“, sagte ein Mitglied. Andere warben für einen Neubau mit Blick auf die nächste Generation: Man solle ihr kein altes Eisen hinterlassen, das immer wieder Millionen kostet. Wieder andere erinnerten daran, dass die Brücke vielen Passauern am Herzen liegt, und verwiesen auf die Leserbriefe der letzten Tage.
Auf eine Frage nach Edelstahl antwortete der Ingenieur, der nötige Duplex-Stahl koste etwa viermal so viel wie normaler Stahl. Seile in der benötigten Dicke gebe es daraus gar nicht. Die Idee, aus der Behelfsbrücke eine dauerhafte zweite Fußgängerbrücke zu machen, lehnte die Verwaltung ab, weil sie zusätzlich unterhalten werden müsste. Die Teile seien wiederverwendbar und könnten verkauft oder an anderer Stelle eingesetzt werden, zum Beispiel bei der Maxbrücke.
Ein Antrag, den ganzen Punkt in die Sondersitzung zu vertagen, bekam nur zehn Stimmen und wurde abgelehnt. Begründet worden war er damit, dass die Studie erst im Ratsinformationssystem stehen solle und es noch andere Ideen gebe, etwa eine reine Rad- und Fußgängerbrücke. Danach stimmte der Stadtrat gegen sechs Stimmen für Rückbau, Ersatzneubau und Behelfsbrücke.
Meine eigene Meinung zur Hängebrücke habe ich vor der Entscheidung hier aufgeschrieben: Die Hängebrücke in Passau: Meine Meinung vor der Entscheidung.
„Passauer Modell“ bei den Kita-Gebühren
Ab 1. Januar 2027 ändert sich in Bayern die Förderung im Kindergartenbereich. Manche Eltern könnten dann rund 100 Euro mehr zahlen müssen. Die Stadt antwortet darauf mit dem „Passauer Modell“: Familien, die sich die Gebühren wirklich nicht leisten können, werden voll unterstützt. Alle anderen bekommen mindestens 25 Euro, dazu gibt es eine Geschwisterermäßigung. Das Modell soll ohne zusätzliche Bürokratie auskommen. Der Stadtrat beschloss es einstimmig in der Fassung der Tischvorlage. Mehrere Redner berichteten, dass das Modell auch in anderen Kommunen gelobt werde.
Weitere Beschlüsse
Einstimmig beschlossen wurden die geänderte Verordnung über die Parkgebühren, die geänderte Satzung über den Kostenersatz für Einsätze der Freiwilligen Feuerwehr und die neue Zweckvereinbarung mit dem Landkreis über die Kommunale Medienzentrale. Mehr zur Medienzentrale steht in meinem Bericht aus dem Kulturausschuss.
Ebenfalls einstimmig gingen die Änderung des Flächennutzungsplans und der Bebauungsplan für ein Mischgebiet in Patriching-Nord durch. Dort entsteht ein rund 0,7 Hektar großes Baugebiet. Die geplante Nordtangente bleibt im Plan berücksichtigt, Ausgleichsflächen liegen zwischen Wohnbebauung und Straße.
Kein neuer Flächennutzungsplan
Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Mobilität hatte am 22. September auf Antrag der Grünen beschlossen, den Flächennutzungsplan für die ganze Stadt neu aufzustellen. Der Oberbürgermeister holte das Thema in den Stadtrat. Die Verwaltung rechnete vor: Eine Neuaufstellung würde sieben bis zehn Jahre dauern und etwa 1,5 bis 2,5 Millionen Euro kosten. Der bisherige Plan sei weiter brauchbar, Änderungen seien jederzeit möglich. Außerdem wird der Plan gerade digitalisiert.
Die Grünen hielten dagegen: Der Plan stamme aus den 1980er-Jahren, es brauche neue Flächen für Wohnen, Gewerbe und die Energiewende sowie einen Grünflächenplan. Die ÖDP, die im Ausschuss noch zugestimmt hatte, will stattdessen den bestehenden Plan schrittweise ergänzen, etwa um Flächen für Klimaschutz und Artenvielfalt. Der Stadtrat hob den Ausschussbeschluss gegen sieben Stimmen auf und lehnte den Antrag ab.
Streit um die Kreuzung bei Patriching
Zum Schluss ging es um einen Antrag der ÖDP-Fraktion. Sie wollte prüfen lassen, ob die Stadt aus dem Vertrag mit dem Staatlichen Bauamt und dem Landkreis zum Umbau der Kreuzung an der B85 bei Patriching aussteigen kann. Die Verwaltung sagte, der Vertrag sehe keine Kündigung vor, und hält die Maßnahme verkehrlich für wichtig.
Die Antragsteller wollten zumindest erreichen, dass keine Haushaltsmittel für den Umbau eingeplant werden. Die Stadt habe kein Geld, spare beim Bus und müsse sich neu verschulden, aber gebe rund 2 Millionen Euro für eine Kreuzung aus, die seit der Ampel kein Unfallschwerpunkt mehr sei. Außerdem müsse Wald gerodet werden. Andere hielten dagegen: Ein Vertrag sei einzuhalten, das Staatliche Bauamt sei schon in Vorleistung gegangen, und die Ampel sei immer nur als Übergangslösung gedacht gewesen. Ein weiteres Mitglied kündigte einen Änderungsantrag an, die Mittel erst einzuplanen, wenn die Haushaltslage es wieder zulässt. Der Oberbürgermeister berichtete, er habe noch am selben Tag mit dem Staatlichen Bauamt und dem Landkreis gesprochen. Beide seien nicht bereit, die Maßnahme zu verschieben. Das Ergebnis der Abstimmung lag mir bei Redaktionsschluss nicht vor.
Mehr Informationen zur Studie gibt es auf der Seite der Stadt Passau.
Bericht über die öffentliche Sitzung des Stadtrats vom 26.10.2026. Maßgeblich sind die offiziellen Sitzungsniederschriften der Stadt.





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