Eigentlich sollte es eine ganz klassische Service-Folge werden. Das Thema: Wie sieht eigentlich ein normaler Alltag im Showbusiness aus? Doch wenn man Lola und Vanessa in ein Podcast-Studio (oder besser gesagt: in ein aufblasbares Hunde-Kostüm) steckt, scheitert der Plan grandios – und wird stattdessen zu einer der ehrlichsten, lustigsten und tiefgründigsten Episoden überhaupt. Hier ist ein Blick hinter die Kulissen eines Alltags, der eher einem Freizeitpark gleicht.

Als Gehörloser höre ich Podcasts nicht – ich lese sie. Eine App verwandelt das Gespräch live in Text, und ich verfolge jede Zeile auf meinem iPhone. So wird auch „Schön laut“ für mich barrierefrei.

Wahnsinn mit System: Von Infinity-Armbändern und Dackel-Kostümen

Stell dir vor, du planst einen ruhigen Tag auf der Couch, und plötzlich steht deine Freundin unangekündigt vor der Tür. Ihr Outfit für den Tag? Ein aufblasbares Doppel-Dackel-Kostüm inklusive Schild: „Ihr hupt, wir trinken.“

Genau so startete Lolas Überraschungsbesuch bei Vanessa. Was wie ein wilder PR-Gag klingt, war in Wahrheit ein echter Freundschaftsbeweis – gekrönt von einem zusammengeschweißten Echtgold-Armband als ewiges Erinnerungsstück. Doch hinter diesem Chaos steckt eine tiefere Botschaft: In einer Welt, in der beide ständig performen müssen, ist dieser absurde Humor ihr sicherer Hafen. Vanessa bringt es auf den Punkt:

„Wenn du dich mit den richtigen Menschen in einen Raum begibst, dann musst du keine Maske auflegen, sondern kannst alles ablegen. Du kannst dich in jeder Hinsicht nackt zeigen und es wird nicht gejudged.“

Vanessa Mai

Wenn man gemeinsam als riesiger Dackel durch die Straßen zieht, ist das Ego schlicht abgemeldet. Man ist einfach nur Mensch.

Die Angst vor der Stille

Hinter dem lauten Lachen und dem extremen Pensum – Lola jongliert TV-Jobs, Hausbau und über 800 ungelesene WhatsApp-Nachrichten – verbirgt sich eine Flucht nach vorn. Wer einen Kalender hat, der aussieht „wie bunte Blumen“, muss nie stehen bleiben. Lola liefert in dieser Folge eine beeindruckende Selbstanalyse:

„Ich bin nach außen krass extrovertiert, aber unfassbar introvertiert. […] Ich habe manchmal so eine Angst, dass die Stille zu laut wird.“

Lola Weippert

Dieser Satz hat mich als gehörlosen Menschen besonders berührt. Für mich ist Stille Alltag – und gerade deshalb weiß ich: Wer sie aushält, merkt oft, dass er nur Angst vor der Angst hatte. Es geht darum, nicht wegzurennen, sondern – wie Lolas Coach ihr riet – „zu lernen, mit seinen Dämonen zu tanzen“.

Der Dopamin-Kater nach dem Applaus

Das Highlight der Folge ist die schonungslose Entmystifizierung des Promi-Lebens. Wir alle träumen heimlich vom tosenden Applaus, doch die Realität ist ein biochemischer Drahtseilakt. Auf der Bühne erleben Künstler ein „Endorphinfeuerwerk“, der Körper schüttet Unmengen an Glückshormonen aus. Doch auf jedes Hoch folgt der Absturz: die Stille im leeren Hotelzimmer.

Lola spricht offen darüber, wie ungewohnt diese Leere nach einem Auftritt ist, und dass sie verstehen kann, warum manche Künstler darin Halt in falschen Dingen suchen – für sich selbst lehnt sie das klar ab. Eine brutal ehrliche Perspektive, die zeigt: Der wahre Kraftakt im Showbusiness ist nicht die Performance auf der Bühne, sondern das Aushalten der Leere danach.

Lektionen für unseren eigenen Alltag

Wir tragen vielleicht keine Dackel-Kostüme und stehen nicht vor zehntausend Fans, aber diese Gedanken aus der Folge können wir alle gebrauchen:

  • Pausen sind produktiv: Ein Tag, an dem man einfach mal Grumpy Cat auf der Couch ist, lädt die Batterien auf.
  • Wahre Freundschaft ist maskenlos: Sucht euch Menschen, bei denen ihr nicht performen müsst.
  • Perspektive behalten: Wenn der Stress auf der Arbeit überkocht, hilft Vanessas Reality-Check: „Wir machen keine OP am offenen Herzen.“

Also: Lasst das Handy öfter liegen, zieht die Masken aus und – um es in den Worten der beiden „Maultäschle“ zu sagen – bleibt schön laut!

Mehr zu „Schön laut“ auf meinem Blog:
Podcast-Tipp: „Schön laut“ – Wenn pures Chaos auf absolute Erdung trifft
Schluss mit Tupperware-Gesichtern: Warum uns perfekte Filter krank machen
„Nie allein, weil ich immer mich selbst habe“


Quelle

Podcast „SCHÖN LAUT“ von Vanessa Mai und Lola Weippert, Folge „Alltag ohne Alltag“ vom 9. Juni 2026. Vermarktung: Seven.One Audio. Zu hören unter anderem bei Apple Podcasts, Podigee, Joyn und YouTube.

Urheberrecht

Dieser Beitrag ist meine persönliche Zusammenfassung und Meinung zur genannten Folge. Alle Rechte am Podcast, an Ton, Bild und Inhalten liegen bei Vanessa Mai, Lola Weippert und den jeweiligen Rechteinhabern. Kurze Zitate dienen ausschließlich der Besprechung (Zitatrecht, § 51 UrhG).

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Mario Lee

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Gehörlos, neugierig und unterwegs zwischen Passau und Singapur. Hier schreibe ich über Inklusion, Reisen, Politik und das Leben.

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