Ich prüfe regelmäßig, ob Orte und Angebote wirklich barrierefrei sind. Hier sind meine wichtigsten Erfahrungen aus dem Alltag als Gehörloser, vom Bahnhof bis zum Fitnessstudio.
1. Informationen & Schilder
Besonders am Bahnhof sind Durchsagen ein Problem. Wenn ein Zug später ankommt, höre ich das nicht. Durchsagen brauchen deshalb Untertitel. Die digitalen Anzeigetafeln müssen immer funktionieren, denn sie sind für mich oft die einzige Information.
2. Kontakt ohne Telefon
Zum Telefonieren nutze ich den Dienst TESS. Ich rufe über den Bildschirm an, und ein Dolmetscher übersetzt zwischen Gebärdensprache und gesprochener Sprache.
So rufen Hörende einen gehörlosen Menschen an
Hörende brauchen keine Anmeldung. Sie rufen ganz normal eine TESS-Nummer an. Ein Dolmetscher verbindet Sie mit der gehörlosen Person und übersetzt das Gespräch. Welchen Dienst Sie anrufen sollen, sagt Ihnen Ihr gehörloser Kontakt.
Wichtig: Nennen Sie dem Dolmetscher den Namen der Person, die Sie erreichen möchten, zum Beispiel „Mario Lee“. Dann weiß der Dolmetscher Bescheid und verbindet Sie.
- TeSign (Gebärdensprache): 04331 77 003 99
- TeScript (Schriftsprache): 04331 77 003 88
Weitere Infos: tess-relay-dienste.de (Stand: Oktober 2026)
3. Personal & Kommunikation
Bei direkten Gesprächen ist Gebärdensprache am besten. Bei Vorträgen und Besprechungen ist es am besten, wenn das Gesprochene in Text übersetzt wird. Denn für viele Fremdwörter gibt es keine Gebärde.
4. Gebärdensprache & Untertitel
Manche Museen machen es schon gut. Ein Beispiel ist das Römermuseum Kastell Boiotro in Passau: Wenn man den Besuch vorher ausmacht, wird ein Dolmetscher geholt.
5. Sicherheit & Alarm
Im Fitnessstudio John Reed gibt es beim Feueralarm kein rotes Licht. Das muss eingebaut werden. Wir haben es selbst erlebt: Bei einem Feueralarm waren wir die Allerletzten, die das Gebäude verlassen haben (hier mein Bericht dazu). Ein Lichtalarm gehört in alle Fitnessstudios, aber auch in Fußballstadien, auf Veranstaltungen und auf Messen.
6. Tickets, Kasse & Bezahlen
Tickets buche ich meistens online. So muss ich an der Kasse nicht sprechen.
Tipp für Hörende: So helfen Sie gehörlosen Menschen
Am besten schreiben Sie mit Gehörlosen auf dem Handy. Oder Sie versuchen es mit ein paar einfachen Gebärden.
Kennen Sie einen Ort, den ich auf Barrierefreiheit testen soll? Schreiben Sie es in die Kommentare.


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