Heute habe ich wieder eine Sitzung in Passau online verfolgt, diesmal den Ausschuss für Kinder, Jugend und Familie. Nach dem Haushalt vom Montag ging es heute um eine Frage, die viele Familien direkt im Geldbeutel spüren: Was passiert mit den Kita-Gebühren, wenn der Freistaat seinen Zuschuss streicht? Hier fasse ich die wichtigsten Punkte in meinen eigenen Worten zusammen.
Was sich ab 2027 ändert
Bisher hat der Freistaat Bayern Eltern mit 100 Euro im Monat pro Kindergartenkind unterstützt. Ab dem 1. Januar 2027 fällt dieser Zuschuss weg. Das Geld ist aber nicht verschwunden: Der Freistaat gibt es jetzt als „Qualitätsbonus“ an die Träger der Kitas, also an Städte, Kirchen und Vereine. Auch das Krippengeld fällt weg.
Der Freistaat hofft, dass die Träger das Geld an die Eltern weitergeben. Viele Städte sagen aber: Das können wir nicht. Regensburg zum Beispiel gibt nichts davon weiter, weil die Kitas dort ohnehin zu wenig Geld haben.
In Passau ist die Lage ähnlich. Allein für den Betrieb ihrer fünf eigenen Kitas zahlt die Stadt jedes Jahr 1,1 Millionen Euro drauf. Das neue Geld vom Freistaat reicht nicht, um diese Lücke zu schließen.
Die Idee: das „Passauer Modell“
Passau geht trotzdem einen eigenen Weg. Die Idee: Familien mit kleinerem oder mittlerem Einkommen sollen von der Änderung möglichst nichts merken.
- Einkommensgrenze 70.000 Euro: Familien darunter bekommen weiter 100 Euro Ermäßigung pro Kindergartenkind.
- Krippenkinder: Auch hier gibt es unter der Grenze 50 Euro Ermäßigung. Laut Verwaltung macht das bisher keine andere Kommune in Bayern.
- Mehr Kinder, höhere Grenze: Für jedes weitere Kind in der Kinderbetreuung steigt die Grenze um 5.000 Euro. Auch Patchwork-Familien werden berücksichtigt.
- Für alle bis Ende August 2027: Bis zum Ende des laufenden Kita-Jahres bekommen alle Familien weiter 100 Euro Ermäßigung für Kinder über drei Jahren, auch die über der Grenze.
- Ab 1. September 2027: Familien über der Grenze bekommen eine Grundermäßigung von 25 Euro. Für das zweite Kind gibt es 50 Euro, für das dritte und jedes weitere 75 Euro.
Der Ausschuss hat das einstimmig beschlossen. Die neue Gebührensatzung muss noch im Stadtrat verabschiedet werden.
Vertrauen statt Papierkram
Was mir besonders gefällt: Das Modell soll unbürokratisch sein. Eltern müssen keine Unterlagen einschicken. Sie bestätigen selbst, dass sie unter der Grenze liegen. Welche Zahlen sie dafür aus ihrem Steuerbescheid nehmen sollen, steht genau in einem Formular. Minijobs zählen nicht mit.
Die Stadt prüft nur stichprobenartig, etwa 5 Prozent der Fälle. Wer falsche Angaben macht, riskiert ein Ordnungswidrigkeitsverfahren. Ein Satz aus der Sitzung ist mir hängen geblieben: „Man muss nicht alles bis ins kleinste Detail regeln noch bis ins kleinste Detail überprüfen.“
Passau spricht jetzt auch mit den anderen Kita-Trägern, zum Beispiel der Caritas. Das Ziel: Das Modell soll in der ganzen Stadt gelten, nicht nur in den städtischen Kitas.
Inklusion in der Kita
Zwei Punkte betrafen Kinder mit besonderem Förderbedarf.
Zusatzkräfte (Z-Kräfte): In integrativen Kitas zahlt die Stadt freiwillig mit an einer zusätzlichen Fachkraft für Inklusion. Weil viele Kinder heute zusätzlich eine eigene Individualbegleitung haben, will die Stadt doppelte Förderung vermeiden und die Zuschüsse für Z-Kräfte reduzieren. Wenn keine Individualbegleitung da ist, soll alles bleiben wie bisher. Ein Ausschussmitglied, das täglich mit Kindergärten zu tun hat, war skeptisch: Viele Kinder hätten keine Individualbegleitung und seien auf diese Kräfte angewiesen. Beschlossen wurde der Vorschlag mit einer Gegenstimme.
Interessant fand ich eine Zahl: Von 36 Kitas in Passau sind nur 11 integrativ. Oft scheitert es an den Anträgen, die lange dauern.
Pädagogisch-Psychologischer Dienst (PPD): Fachleute der Caritas gehen direkt in die Kitas und helfen Kindern mit Förderbedarf, jetzt auch schon bei Kindern unter drei Jahren. Die Stadt zahlt dafür künftig 75 statt 48 Cent pro Einwohner im Jahr. Das kostet rund 14.400 Euro mehr. Der Beschluss war einstimmig. Die Kita-Leitungen „schwärmen“ laut Verwaltung von dieser Hilfe.
Jugendbeteiligung: 10.000 Euro für junge Menschen
Im Haushalt 2027 stehen erstmals 10.000 Euro für ein Jugendbudget. Eine Arbeitsgruppe überlegt seit September, wie Kinder und Jugendliche in Passau mitreden können. Ideen sind:
- ein Instagram-Account, den junge Leute selbst mitgestalten,
- eine E-Mail-Adresse für Anliegen junger Menschen,
- Jugendforen in den Stadtteilen,
- „Pizza, Pläne, Perspektiven“: lockere Treffen mit dem Oberbürgermeister,
- Pop-up-Sprechstunden,
- ein Jugendbudget, über das junge Gruppen selbst abstimmen.
Auch hier hieß es: einfache Sprache und wenig Bürokratie.
Meine Gedanken
Ich finde das Passauer Modell mutig. Viele Städte geben das Geld einfach nicht weiter. Passau versucht, gerade die Familien in der Mitte nicht allein zu lassen, und das ohne neuen Papierkram. Ob das Vertrauen funktioniert, werden die nächsten Jahre zeigen.
Bei der Inklusion bin ich vorsichtiger. Ich verstehe, dass die Stadt sparen muss. Aber gerade bei Kindern mit Förderbedarf darf am Ende nicht weniger Unterstützung ankommen. Gut ist, dass die Stadt im Einzelfall entscheiden kann.
Quelle: eigene Mitschrift der öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Kinder, Jugend und Familie vom 07.10.2026. Angaben ohne Gewähr. © 2026 Mario Lee


Hinterlasse einen Kommentar