Am Montag, 6. Juli 2026, ging es im Ausschuss für die Verwaltung um ein großes Zukunftsthema: die Digitalisierungsstrategie der Stadt Passau. Die Verwaltung hat vorgestellt, wohin die Reise gehen soll. Danach wurde lange diskutiert, vor allem über eine Frage: Was passiert mit den Menschen, die mit Computer und Smartphone nicht gut zurechtkommen?
Wo die Stadt heute steht
Seit Mitte 2023 ist die IT eine eigene Abteilung. Sie soll Abläufe vereinfachen und digital machen. Leicht ist das nicht. Über Jahrzehnte sind viele verschiedene Programme und Systeme gewachsen, die nun zusammenpassen müssen. Dazu kommen Datenschutz, IT-Sicherheit und Vergaberecht. Und wie überall fehlt es an Fachkräften und an Geld.
Die Ziele
Die Verwaltung hat sich konkrete Ziele gesetzt:
- Mehr Online-Dienste: In einem halben Jahr soll die Zahl von rund 90 auf über 200 steigen. Danach sollen jedes Jahr mindestens zehn neue dazukommen.
- Daten nur einmal angeben: Bürgerinnen und Bürger sollen ihre Daten nicht immer wieder neu eintragen müssen. Das ist bis 2028 geplant.
- Die elektronische Akte: Heute arbeiten etwa 35 Prozent der Kernverwaltung damit. Bis 2035 sollen es 100 Prozent sein. Angefangen hat es im Ausländeramt.
- Rechnungen sollen bis 2030 komplett digital durchlaufen.
- Bis 2035 sollen 80 Prozent aller Abläufe digital sein.
Außerdem geplant: eine Plattform für Unternehmen, ähnlich wie das Bürgerkonto, ein digitales Modell der Stadt und Regeln für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. IT-Sicherheit hat dabei immer Vorrang, damit Hacker keine Chance haben.
Ein Problem gab die Verwaltung offen zu: Die vorhandenen Online-Dienste werden noch zu wenig genutzt. Viele wissen gar nicht, was es schon gibt. Deshalb soll mehr dafür geworben werden.
Digital für alle, aber wie?
Den größten Streit gab es um einen Antrag, der verlangte: Zu jedem digitalen Angebot soll es dauerhaft auch ein Angebot auf Papier oder am Schalter geben. Niemand dürfe ausgeschlossen werden, so die Begründung. Die Gegenseite hielt dagegen: Alles doppelt anzubieten, sei teuer und binde Personal, das ohnehin knapp ist. Besser sei „digital zuerst, mit Hilfe für alle, die Hilfe brauchen“.
Am Ende lief es auf einen Mittelweg hinaus. Analoge Angebote bleiben als Übergang erhalten. Langfristig setzt die Stadt aber auf das Digitale, mit gezielter Unterstützung für Menschen, die es allein nicht schaffen. Vorgeschlagen wurde dazu auch ein mobiles Bürgerbüro, das zum Beispiel in Seniorenheime kommt.
Weniger abhängig von großen Firmen?
Gefragt wurde auch, warum die Stadt so stark von Microsoft abhängt und nicht mehr freie Software nutzt. Die Verwaltung antwortete: Ein kompletter Umstieg sei im Moment nicht realistisch, weil vieles dann nicht mehr zusammenpasse. Man bleibe aber offen für einen späteren Wechsel.
Der Ausschuss wünscht sich, einmal im Jahr zu hören, wie weit die Digitalisierung gekommen ist.
Meine Sicht als gehörloser Bürger
Für mich ist das ein wichtiges Thema. Als Gehörloser hilft mir jeder Online-Dienst, für den ich nicht anrufen oder am Schalter nachfragen muss. Digital heißt aber nicht automatisch barrierefrei. Ich hoffe, dass die Stadt bei allen neuen Angeboten auch an Menschen mit Behinderung denkt.
Bericht über die öffentliche Sitzung des Verwaltungsausschusses vom 06.07.2026. Maßgeblich sind die offiziellen Sitzungsniederschriften der Stadt.




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