Na, Keule, setz dich hin. Ick erzähl dir mal wat von Madrid. Vier Tore haben wir gefangen, eins haben wir gemacht. Klingt nach Klatsche, wa? War et aber nur so halb. Denn diesmal haben die Jungs sich gewehrt. Und dit war nach dem 1:6 in München dit Wichtigste überhaupt.

Ich hab das Spiel wie immer im Bullenfunk verfolgt, mit Paul und Sven am Mikro. Mein Tipp vorher: 1:1. Na ja. Die Eins für Leipzig hab ich getroffen. Ist doch schon mal wat.

Abendrot überm Bernabéu

Rund 70.000 Leute im Stadion, davon ungefähr 2.000 aus Leipzig, und ein Himmel, als hätte ihn einer extra in Rot-Weiß angemalt. Drüben an der Seitenlinie José Mourinho, bei uns der Trainer mit der Aufgabe, aus einer Truppe, die am Samstag noch auseinandergefallen ist, wieder eine Mannschaft zu machen.

Und siehe da: Er hat zurückgebaut. Klostermann draußen, Baku wieder rechts hinten, Raum links. Das alte, bewährte Zeug. Manchmal ist der Opa-Schrank eben doch stabiler als das neue Regal vom Möbelhaus.

Erste Halbzeit: Die trauen sich wat!

Ehrlich, Leute, ich hab mit Angst gerechnet. Kam aber keine. Die Viererkette stand auf einer Linie, als hätte einer mit dem Lineal nachgezogen. Mbappé kriegte kaum Luft. Nusa tanzte Valverde ein paar Mal schwindlig, Gruda und Baku machten rechts ordentlich Betrieb. Seiwald räumte im Mittelfeld ab wie ein Hausmeister nach dem Schützenfest.

Dann das große Ding: Raum spielt einen Pass in die Tiefe, Nkunku läuft allein auf Courtois zu – und der Belgier macht sich so breit wie ein Schrankkoffer. Pariert. Paul und Sven im Bullenfunk haben das Spiel ganz gut beschrieben: wie dieser heiße Draht vom Jahrmarkt. Du musst die ganze Zeit konzentriert bleiben, und wenn du einmal wackelst, klingelt’s.

Und dann hat’s geklingelt. 44. Minute, eine Minute vor der Pause, wo man schon an den Pausentee denkt. Bernardo Silva zieht ab, der Ball wird abgefälscht, Vandevoordt ist chancenlos. 0:1. Bis dahin war dit ein Spiel auf Augenhöhe, die Expected Goals standen ungefähr bei 0,7 zu 0,7. Fußball ist manchmal gemein. Und manchmal ist er spanisch.

Zweite Halbzeit: Real macht ernst

Nach der Pause hat Madrid einen Gang hochgeschaltet. Mbappé holte sich die Bälle jetzt tief und lief dann los, und wenn der läuft, guckst du nur noch hinterher. Vandevoordt hielt erst noch gegen Valverde, aber in der 52. Minute war’s passiert: Bellingham, Mbappé, und Arda Güler schiebt an der Linie ein. Der Videoassistent guckt noch mal, kein Abseits. 0:2.

Und dann kam der bittere Moment für Brajan Gruda: Er musste verletzt runter. Ausgerechnet unser Bester der letzten Wochen. Da hab ich kurz die Augen zugemacht. Leipzig blieb trotzdem dran. Nusa schoss drüber, Reitz kam rein und probierte es aus der Distanz, aber Courtois hatte wieder die Pranke dazwischen. Bullenfunk-Fazit an dieser Stelle: „Wir scheitern an der Chancenauswertung.“ Kannste so stehen lassen.

Drei Tore in fünf Minuten

Am Ende wurde es dann noch richtig wild. 83. Minute: Mbappé an der Strafraumgrenze, ein bisschen Platz, ein Schlenzer ins lange Eck. 0:3. Da kannste als Verteidiger nur applaudieren und dich schämen, dass du applaudierst.

Aber dann, 85. Minute: Christoph Baumgartner, gerade erst zurück im Kader, dribbelt auf Rüdiger zu. Der weiß nicht, ob er schießt oder abspielt. Baumgartner legt quer, Tidiam Gomis bleibt eiskalt vor Courtois – 1:3! Ein Törchen für die Seele. Die 2.000 im Gästeblock sind durchgedreht, und icke vorm Lautsprecher auch.

Zwei Minuten später kam dann noch die Pointe, die sich kein Drehbuchautor trauen würde. Ausgerechnet Yan Diomandé, früher bei uns in Leipzig und jetzt in Madrid, kommt rein und haut uns einen Volley unter die Latte. 1:4. Hat er sich bestimmt gefreut. Wir eher nicht so.

Mein Fazit

Klar, 1:4 sieht hässlich aus. Aber mal ehrlich: Das hier war was ganz anderes als München. Leipzig hat mutig gespielt, kompakt verteidigt und sich gute Chancen rausgespielt. Sven hat’s im Bullenfunk gut gesagt: Entschieden hat die individuelle Klasse. Spieler, die aus einem halben Meter Platz ein Tor machen. Gegen Mbappé, Güler und Co. kannste eben auch mal verlieren, ohne dass du dich verstecken musst.

Wat mir Sorgen macht: die Chancenverwertung und Grudas Verletzung. Wat mir Mut macht: Moral, Laufbereitschaft und dit Tor von Gomis. In der Champions League stehen wir jetzt mit drei Punkten aus drei Spielen da, Platz 29. Da muss noch wat kommen.

Weiter geht’s ohne Pause: Samstag Elversberg in der Bundesliga, am Dienstag Rot-Weiss Essen im Pokal, dann Schalke. Wenn die Jungs diese Einstellung mitnehmen, wird dit wat. Und wenn nicht, schreib ick hier wieder. Versprochen.

⚽ Daten zum Spiel
UEFA Champions League, Ligaphase, 3. Spieltag · Mittwoch, 21. Oktober 2026 · Estadio Santiago Bernabéu, Madrid
Real Madrid – RB Leipzig 4:1 (1:0)
Tore: 1:0 Bernardo Silva (44.), 2:0 Güler (52.), 3:0 Mbappé (83.), 3:1 Gomis (85.), 4:1 Diomandé (87.)
Besonderes Vorkommnis: Gruda muss verletzt raus; Ex-Leipziger Diomandé trifft gegen seinen alten Verein
Gelbe Karten: je eine für Real (68.) und Leipzig (70.)
Torschüsse: 18:10 · aufs Tor: 9:6 · Ecken: 7:1 · Ballbesitz: 61:39 %
Schiedsrichter: István Kovács · Zuschauer: rund 70.000, davon etwa 2.000 aus Leipzig

Ich habe das Spiel im Bullenfunk verfolgt, dem Fanradio von RB Leipzig. Dieser Bericht ist meine persönliche Zusammenfassung in eigenen Worten. Statistiken: Sportradar.

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Mario Lee

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