Die Tour ist vorbei, und Folge 29 von „Schön laut“ klingt wie der Abend danach. Lola und Vanessa sind müde, albern und zwischendurch sehr ehrlich. Ich habe oft gelacht und mich an einer Stelle richtig mitgeärgert. Dazu weiter unten mehr.

Post aus Marburg
Wer meinen Beitrag zu Folge 27 gelesen hat, kennt die Vorgeschichte: Aus dem Auto von Vanessa und Andreas wurde vor dem Hotel fast alles gestohlen. Jetzt kommt die Fortsetzung, und sie ist ziemlich schräg. Nachts um halb vier sieht Andreas die Post durch und hält plötzlich einen Umschlag der Deutschen Post aus Marburg in der Hand. Darin liegen Kreditkarten, Führerscheine, Versicherungskarten und Vanessas Personalausweis, eingepackt in Plastikfolie, weil der Inhalt beschädigt war.
Wer das geschickt hat, wissen die beiden bis heute nicht. Vanessas Vermutung: Die Diebe haben das Bargeld behalten, den Rest weggeworfen, und irgendjemand hat ihn gefunden und zurückgeschickt. Den Behördenkram hat ihr das trotzdem nicht erspart. Sie brauchte ein neues Passbild, aufgenommen direkt auf dem Amt, nach einem Auftritt um sieben Uhr morgens. Wie das Foto geworden ist, kann man sich denken.
Süß fand ich die kleine Geschichte dazu: Solange Vanessa keine Karten hatte, hat Lola ihr ihre eigene angeboten. Vanessa war das so unangenehm, dass sie damit genau zwei Hafermilch Latte gekauft hat und sonst nichts. Und Lola erzählt, dass sie seit der Geschichte jedes Mal doppelt prüft, ob noch etwas Wichtiges im Auto liegt.
Tourende mit Schlagerstrudel
Lola war mit drei Freunden auf einem von Vanessas Konzerten, barfuß und mit einem selbstgemachten Schild: „Schlagerstrudel“. Seitdem hat Vanessa den Schlagerstrudel bei jedem Tourstopp gemacht, immer zum Schluss. Über diesen Abend streiten die beiden immer noch. Vanessa sagt, Lola habe mitten in ihre emotionalste Rede reingerufen. Lola sagt, sie habe nur ihr Schild hochgehalten, und dann hätten die Leute ihre Handylichter darauf gerichtet. Das Videomaterial soll es klären. Ich bin gespannt.
Lolas Fazit zum Konzert gefällt mir: „Man muss diese Songs nicht auswendig können, um die beste Zeit zu haben.“ Für alle, die es verpasst haben, gibt es eine zweite Chance. Der Vorverkauf für eine XXL-Schlagerparty-Tour 2028 hat begonnen.
Vanessa erzählt außerdem, dass sie bei einem Meet & Greet mitten in den Fotos weinen musste, weil sie gemerkt hat, wie viel die Begegnung den Leuten bedeutet. Viele sparen lange auf so einen Abend. Und nach sieben Jahren läuft wieder ein Song von ihr im Radio. Ihre Freude darüber merkt man in jedem Satz.
Bei Lola gibt es inzwischen einen Fan, der sich ihre Unterschrift tätowieren ließ, dazu eine Hummel, die Lola selbst auf ein Blatt gekritzelt hat. Lola findet die Hummel nach eigener Aussage wirklich hässlich. Ich weiß nicht, ob ich das mutig oder verrückt finden soll. Wahrscheinlich beides.
Sebastian, der Waschbär
Lola fühlt sich auf ihrem Hof in Brandenburg endlich angekommen. Jeden Morgen um fünf zündet sie eine Kerze an, und dann kommt Sebastian. Sebastian ist ein Waschbär (ausdrücklich kein Ex, betont sie), der auf ihren Walnussbaum klettert und Nüsse knackt. Dazu gibt es Nutrias mit riesigen gelben Zähnen und einen Regenbogen neben dem Sonnenuntergang, wie sie ihn in all den Jahren in Berlin nie gesehen hat. Und sie hat gelernt, dass man in der Dorfkneipe beim Reinkommen auf jeden Tisch klopft. Wer das nicht macht, hat ein Problem.
Was würde deine innere Oma tun?
Das war für mich die schönste Idee der Folge. Oft heißt es ja, man soll auf sein inneres Kind hören. Hier geht es um die andere Richtung: Man fragt sich, wie die eigene 80-jährige Version entscheiden würde. Die beiden haben dafür mit einer Filter-App Bilder von sich als alte Frauen gemacht und sich dabei kaputtgelacht. Der Gedanke dahinter ist aber ernst. Wer sich selbst mit 80 vorstellt, merkt schneller, was wirklich wichtig ist und was nicht.
„Denk nicht: Was macht mein inneres Kind? Sondern: Wie würde meine innere Oma reagieren?“
Dazu passen zwei weitere Gedanken. Beim Spiegelprinzip geht es um einen Pickel: Den kann man im Spiegelbild nicht wegwischen, man muss bei sich selbst etwas ändern. Und statt „Fake it till you make it“ gilt jetzt „Believe it till you make it“. Ich werde die innere Oma auf jeden Fall ausprobieren.
Ein bisschen Gegengewicht kommt von Lolas Mutter Conny. Die beiden waren mit dem Boot am Felsen Es Vedrà auf Ibiza, und am Ende hat ein Mann vom Nachbartisch erst eine Flasche Wein spendiert und dann Conny umgarnt. Auf die Frage, wann sie endlich erwachsen werde, antwortet Conny seit Jahren: „Hoffentlich nie.“ Lola sieht es genauso. Wer den kindlichen Wahnsinn ablegt, verliert ihrer Meinung nach viel Lebensqualität.
Männer-Ego auf der Baustelle
Hier habe ich mich mitgeärgert. Lola baut ihren Hof um und ist Bauherrin. Trotzdem wird sie von vielen Handwerkern nicht ernst genommen. Sie bezahlt diese Leute, und einer hat sie am Telefon angeschrien, obwohl er selbst einen Termin verbummelt hatte. Ein Elektriker hat während des ganzen Termins nur mit ihrem Papa gesprochen, obwohl sie die Entscheidungen trifft. Dann kam der Spruch, den Stromkasten bemalen, das machen ja immer die Frauen. Die Männerrunde hat gelacht. Am nächsten Tag wollte derselbe Mann ein Foto und eine Autogrammkarte.
„Nur weil wir Frauen sind, haben wir kein Defizit. Wir sind genauso wertig wie ihr.“
Lola sagt ausdrücklich, dass sie nicht alle Männer schlechtmachen will. Es gebe ganz tolle Männer. Sie wünscht sich nur, dass alle mit Respekt behandelt werden, egal welches Geschlecht. Vanessa erinnert sie daran, dass sie als Auftraggeberin jemanden auch einfach wegschicken kann. Außerdem kennt sie eine Baufirma, in der nur Frauen arbeiten und die von einer Frau geführt wird. Zum Schluss gibt Lola allen Frauen auf dem Bau mit: „Kämpft und lasst euch nichts einreden.“
Mein Fazit
Vanessa macht nach dieser Folge zum ersten Mal zwei Wochen komplett Pause, mit Sport, Schnorcheln und weggelegtem Handy. Lola hat vorher noch für beide rote Schutzarmbänder mitgebracht, damit nach der Autogeschichte nichts mehr passiert. Die Folge springt wild zwischen Waschbär, Passbild und Baustelle hin und her. Gerade das mag ich an „Schön laut“. Von mir eine klare Hörempfehlung, und ab jetzt frage ich öfter meine innere Oma.
🎧 Daten zur Folge
Podcast: „Schön laut“ mit Vanessa Mai und Lola Weippert
Folge 29: „Innere Oma trifft Männer-Ego“
Erschienen am 20. Oktober 2026 · Länge: ca. 66 Minuten
Anhören: Folge 29 auf podcast.de · Apple Podcasts · Spotify
Rechte: Dieser Beitrag ist meine persönliche Zusammenfassung und Meinung. Alle Rechte am Podcast liegen bei Vanessa Mai, Lola Weippert und sevenone audio. Zitate sind kurze Ausschnitte, die ich zur Besprechung verwende (Zitatrecht, § 51 UrhG).





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